Mittwoch, 16. Januar 2019

Nordic Walking Termine 2019



Christine und ich werden es sicher nicht schaffen an allen aufgeführten Terminen teilzunehmen. Zumal es natürlich auch eine Kostensache ist, ob man z. B. für einen 10k-Wettkampf 200 km hin und zurück fahren muss oder evtl. noch weiter. Diese Liste wird immer wieder ergänzt. Die gezeigten Termine sind unter Vorbehalt, es kann sich immer noch etwas ändern. Vor allem die wenigen Termine mit einem ? konnten wir nicht verifizieren.



19.01.2019 (Sa) Hinsbeck Waldlauf auf den Hinsbecker Höhen

10.03.2019 (So) Erftstadt Donatussee Lauf + Walk

17.03.2019 (So) Erkrath Neandertallauf

17.03.2019 (So) Eschweiler Volkslauf

06.04.2019 (Sa) Düsseldorf-Benrath Karl-Heinz-Hahn Walk

21.04.2019 (Mo) Alsdorf Broichbachtallauf

12.05.2019 (So) Jüchen Schloss Dyck Lauf

12.05.2019 (So) Aachen-Brand Aachener Engellauf

25./26.05.2019 Roding, Europameisterschaft 10k, 1. Europe-Cup Challenge Trophy und 5. Internationale Deutsche Nordic Walking Meisterschaft 10k (und Mix-Team-Wertung) und 15. Mühlbauer Spendenlauf

01.06.2019 (Sa) Monschau Mittsommernachtslauf

09.06.2019 (So) Aachen-Hahn Kitzenhauslauf

22.06.2019 (Sa) Roetgen Rakkeschlauf

28.06.2019 (Fr) Düren Peter + Paul Benifitz L + W Spendenlauf

06.07.2019 (Sa) Obermaubach Stausee-Volkslauf

14.07.2019
 (So) Steckenborn Simmerath "enorm in Form"

20.07.2019
 (Sa) Birkesdorf Isola-3-Brückenlauf

10.08.2019
 (Sa) Monschau Eifel Panorama Walk

11.08.2019 (So) Monschau Marathon-Walk

17.08.2019 (Sa) Hambach Straßenlauf

24.08.2019 (Sa) Huchem-Stammeln Monte Sophia/Montelino

08.09.2019 (So) Mönchengladbach Volksbadlauf

14.09.2019
 (Sa) MC Eschweiler Volkslauf

29.09.2019 (So) Hückelhoven WEP-Stromlauf

06.10.2019
 (Sa) GK - Gillrath L + W Volkslauf

20.10.2019
 (So) Niederzier  Hambacher Herbstwaldlauf

26.10.2019 (Sa) Herzogenrath Volkslauf

03.11.2019 (So) Übach-Palenberg Int. Volkslauf

16.11.2019? (Sa) Ratheim Adolfoseelauf



08.12.2019? (So) Bedburg Nikolauslauf

31.12.2019? (Di) Bedburg Silvester Brezellauf

Freitag, 11. Januar 2019

Mal nicht müssen müssen

Ich hab mich mit diesem Blogpost sehr sehr schwer getan, deshalb hat er auch so lange auf sich warten lassen. Wer mir hier länger schon folgt weiß, dass das Verhältnis zu meiner "Ursprungsfamilie" etwas schwierig ist. Lange hatten wir gar keines, haben dann über Erbstreitigkeiten mit der mütterlichen Seite wieder etwas zueinander gefunden und jetzt ist es - keine Ahnung, wie man es nennen würde. Definitiv kein normales familiäres Verhältnis zwischen Eltern und (erwachsenem) Kind aber auch kein abgebrochener Kontakt, irgendwas dazwischen. Auf Deutsch: ich schicke Mails und bekomme eine Antwort. Ich rufe sie an, man plaudert. Ich rufe sie an, man plaudert. Ich rufe sie an - das Musical.
Damit hab ich mich arrangiert, ich lebe hier einfach ein Leben, von dem sie nichts wissen, das sie aber im Endeffekt auch nichts angeht und sie vermutlich (auch wenn sie das Gegenteil behaupten) nicht interessiert. Sie haben mich hier nie besucht, vor 5 Jahren haben wir uns das letze Mal gesehen (und wenn ich sage: das letzte Mal, dann meine ich DAS LETZTE MAL).
Aber momentan halte ich den Kontakt zu ihnen hauptsächlich, weil ich nur über sie erfahre, wie es meiner Oma geht. Auch Oma habe ich zuletzt vor 5 Jahren gesehen, zwischendurch noch ein paarmal gesprochen, aber das Gespräch war so fies, dass ich keine Lust auf weitere hatte.
Mit Oma (und meinem Opa) war ich mein Leben lang sehr eng verbunden. Als Schüler bin ich jeden Tag zum Essen zu ihnen, da sie nur wenige Häuser von meiner Schule weg gewohnt haben. Später hatte ich ja in Horb gearbeitet und war immer noch oft bei ihnen, bin auch gerne mal mit ihnen zum Einkaufen gefahren. Aber natürlich gibt es (wie immer) ein ABER in der Geschichte.
Oma war zeitlebens das, was ich in ihren Augen nie war: fleißig, ordentlich, halt einfach eine tolle Haus- und Ehefrau. Gerne fingen ihre Sätze mit "Du musst doch" an: "Du musst doch aufräumen", "Du musst doch putzen" oder "Du musst doch arbeiten gehen". Bis hin zu "Du musst doch deine Wäsche getrennt waschen" und das dann auch noch mehrmals die Woche. An guten Ratschlägen zu meinem ihr gänzlich fremden und unbekannten Leben sparte sie nie.
Dabei wusste sie doch gar nicht, wie oft hier geputzt oder gewaschen wird. Und dass arbeiten bei mir nach dem Mobbing und der sexualisierten verbaler Gewalt bei der Neckar Chronik gegen mich nicht mehr ganz so einfach ist - egal. "Da musst du halt durch".
Oder mein Liebling: "Sei doch nicht so stur".
Und das von der Frau, die vor mittlerweile zwei Jahren von einem auf den anderen Tag aufgehört hat, sich zu bewegen. Und wenn ich sage zu bewegen, dann meine ich, sich zu bewegen. Sie bewegt ihre Arme nicht mehr, kann dadurch natürlich das Bett nicht mehr verlassen. Wieso? Das weiß keiner. Sie verweigert jegliche Untersuchung (so viel zu "sei doch nicht so stur").
Versorgt wird sie von der Horber Sozialstation und meinen Eltern. Mein Onkel ist selbst so hinfällig, dass er sich nur noch mit Mühe bewegen kann. Ja, er ist krank. Das war er mein ganzes Leben lang. Aber er musste nie, so wie alle anderen mussten. Bei ihm war immer "er kann nicht", wo bei allen anderen "du musst doch" oder "stell dich nicht so an" war. Schön mit zweierlei Maß gemessen.
Was mich daran stört, wo ich doch so schön weit davon weg bin? Dass Oma immer über andere Verwandte, geschimpft und gelästert hat. Eben weil sie mit zweierlei Maß gemessen haben. Es wurden ja immer die anderen bevorzugt und sie kam zu kurz. Mag sein. Aber das, was sie macht, ist kein bisschen besser. Und kein bisschen weniger verletzend. Vor allem für mich. Denn ich habe mein Leben lang versucht, ihr zu genügen. Meine Gesundheit und im Endeffekt auch mein Leben damit aufs Spiel gesetzt. Um beim letzten Telefonat nur Vorwürfe zu hören. Und Gejammere. Unter anderem darüber, wie schwer mein Onkel es habe und wie fies meine Eltern ihn behandeln.
Völliger Realitätsverlust. Leider. Oder auch nicht leider. Ich bin da auf jeden Fall raus. And that's the end of it.
Auf Anraten meines Endokrinologen muss ich jetzt - genau NICHTS MEHR. Ich darf, muss aber nicht. Wenn nicht - dann nicht. Alles andere ist schädlich für mich. Was ich aber muss ist, mich dran zu gewöhnen, nicht zu müssen. Zu dürfen - ja. Aber müssen - nein! Müde und erschöpft sein - erlaubt! (Danke, Hashimoto!) Wenn ich nicht müde bin - Halbmarathon, ich komme! Mal auf mich selbst und meine Bedürfnisse hören ohne schlechtes Gewissen, weil ich mal nicht funktioniere. Auch mal durchhängen, statt durchmüssen. Mal sehen, wohin der Weg mich führt. Wo er mich nicht hin führt, weiß ich: zurück in den Schoß der Familie.

Sonntag, 6. Januar 2019

Der Junge, der zu viel fühlte von Lorenz Wagner


Henry Markrams Welt gerät aus den Fugen. Der eigentlich tief in der Objektivität der Wissenschaft verwurzelte Hirnforscher wird mit dem Autismus seines Sohnes Kai konfrontiert und gerät dabei immer wieder an seine Grenzen – persönlich, emotional und auch wissenschaftlich.
Sehr früh bemerken die Eltern, dass ihr Sohn anders ist, als andere Kinder. Besonders. Aber als sie nach einer Odyssee über ADS-Diagnosen bei der Diagnose „Autismus“ landen, sind sie doch mehr als schockiert.  Denn was heißt das denn überhaupt?
Der Autor erklärt am Beispiel von Kai und seiner Familie, was Autismus in dessen Fall bedeutet (denn: kennst du einen Autisten, dann kennst du genau EINEN Autisten). Der Leser erfährt (wenn er das nicht schon vorher wusste), dass Autisten keinen Mangel an Gefühl, Sensibilität oder Aufmerksamkeit haben, sondern vielmehr auf eine extreme Reizüberflutung mit sehr hoher Sensitivität reagieren, der Rückzug ist daher keine Störung, sondern eine Art Selbstschutz, bevor es zu Overloads oder Meltdowns kommt.
Das Buch ist eine Aufforderung an die Leser (aber irgendwie an alle Menschen), Anderssein zu akzeptieren und die jeweiligen Stärken und Schwächen zu sehen und zu verstehen.
Aber insgesamt liest sich das Buch etwas holprig. Es ist zwar eine sehr nette „human touch“ Geschichte aber es sind auch relativ große Zeitsprünge drin und alles in allem fand ich es zum Teil etwas verwirrend. Es ist irgendwie nichts Ganzes und nichts Halbes – keine wissenschaftliche Abhandlung und kein Roman/Biografie und auch keine Reportage.
Medizinisch fand ich die Ansätze von Henry Markram teilweise sehr interessant. Psychologisch fand ich sie zum Teil aber befremdlich. Vor allem die Aussage, dass Autismus durch die bewusste reizarme Umgebung in den ersten sechs Lebensjahren vermieden (also bestehender Autismus dadurch geheilt) werden kann, halte ich für fragwürdig. Dafür ist Autismus zu komplex und die ersten Lebensjahre prägen den Menschen zu sehr (Sprachentwicklung, Sozialisierung usw), als dass er ihn in einer völlig reizarmen Umgebung zubringen sollte. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Möglichkeit wohl den wenigsten Familien mit einem Kind im autistischen Spektrum gegeben ist.
Da ist ein differenzierterer Ansatz eher angebracht.
Insgesamt finde ich es aber ein sehr wichtiges Buch für alle, die mit Autisten zu tun haben oder sich mit dem Thema fundiert auseinandersetzen wollen. Ein wichtiges, schwieriges Thema populärwissenschaftlich aufgearbeitet und entlang der Familiengeschichte eines bekannten Wissenschaftlers erzählt. Ursprünglich war das Buch eine Reportage in der Süddeutschen Zeitung, jetzt wurde sie zum Buch aufgeblasen. Wohlwollende 3 Sterne.

Mach was Böses von Barbara Wendelken


Fesselnder Krimi mit beklemmender Atmosphäre
Keine gute Zeit, um in Bremen und umzu joggen zu gehen. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Seine Opfer: junge Frauen mit langen blonden Haaren. Charakteristisch ist allerdings, dass er sich nicht an ihnen vergeht.
Und ausgerechnet jetzt haben die beiden ermittelnden Polizeibeamten so viele persönliche Probleme, dass alles irgendwie zu kurz zu kommen scheint. 
Konstanze Schaffer und ihr Mann Adam stecken in einer tiefen Ehekrise, unter der auch ihr pubertierender Sohn Marius leidet. Bei Nikolai König und seiner Freundin, der Psychotherapeutin Finja Michaelis ist es sogar noch schlimmer – nachdem er fremdgegangen ist, hat sie ihn vor die Tür gesetzt. Und zwischen all den persönlichen Problemen müssen in Barbara Wendelkens Thriller die Mord-Ermittlungen Platz finden. Und diesen Platz erkämpft sich die Polizeiarbeit auf sehr rabiate Weise: Bea, die beste Freundin von Finja, wird an ihrer eigenen Haustüre erstochen. Kurzzeitig gerät sogar Finja ins Visier der Ermittler, vor allem in das des jungen Polizisten Florian („der Kleine“), der sich unbedingt profilieren möchte.
Das Buch ist rasant geschrieben, vereint blutige Details gekonnt mit psychologischer Rafinesse, Fake News, ist gut konzipiert und die Autorin bedient sich einer alltagsnahen und flotten Schreibweise. Die Geschichte ist in Kapitel unterteilt, die die Namen der jeweiligen Hauptpersonen tragen. Zwar war mir nach gut zwei Dritteln ziemlich klar, wer hinter den Morden steckt, aber trotzdem hat die Autorin es geschafft, mich mit dem Schluss zu überraschen.

5 Sterne

Zusammen sind wir Könige von Frederick Lau und Kida Ramadan zusammen mit Nana Heymann


Frederick Lau war mir schon seit „Das Fliegende Klassenzimmer“ und „Wer küsst schon einen Leguan“ bekannt und daher habe ich mich sehr gefreut, als ich von NetGalley das Buch „Zusammen sind wir Könige“ bekommen habe. Kida Ramadan kannte ich, ehrlich gesagt, nicht mal dem Namen nach. Aber im Verlauf des Buchs habe ich so viel über ihn erfahren, dass er mir sehr nahe gekommen ist.
Die Beziehung der beiden so unterschiedlichen und doch so ähnlichen Männer ist in dem Buch durch die parallel zueinander geführten Interviews sehr gekonnt geschildert und obwohl die Geschichte nacheinander aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert ist, läuft sie nahtlos ineinander und bildet ein stimmiges Ganzes.
Geschrieben ist das Buch wohl so, wie die beiden Herren reden. Mit viel Umgangssprache (praktisch jeder Satz beginnt oder endet mit „Dicker“) und dem einen oder anderen Kraftausdruck. Aber auch mit viel Wortwitz und locker aus der Hüfte erzählen die beiden, wie sie sich kennengelernt haben und wie sie Freunde wurden. Der Leser erfährt sehr viel über den Hintergrund der beiden und wie sie so leben und arbeiten. Beide kommen sympathisch und menschlich rüber, ich habe beim Lesen sehr viel gelacht, manchmal aber auch den Kopf geschüttelt ob des Chaos in beider Leben. Sprachlich sehr flüssig zu lesen, inhaltlich auch eher ohne tiefere Message – geschmeidige 4 Punkte.

Die Blutfinca von Jorge de la Piscina


Mallorca mystisch und magisch
Hach, man kennt es aus dem Trash-TV: deutscher Mallorca-Auswanderer wird Gastronom.
Aber bei dem ehemaligen Kriminalbeamten Marc Renner ist das anders: er hat nicht nur einen Plan, sondern setzt diesen auch um. So eröffnet er in dem Küstenort Cala Pi ein Restaurant mit einheimischer und deutscher Küche, wobei er die Schnitzel selbst brät, die mallorquinische Küche von dem alten Koch Santos bestritten wird.
Aber so ganz lässt Marc die Vergangenheit bei der Polizei nicht los. Vor allem, als um ihn herum plötzlich seltsame Dinge geschehen: ein aztekischer Prinz aus lang vergangener Zeit wird auf einer Klippe gesichtet, Menschen verschwinden und sterben – alles in allem sehr mystisch und mythologisch. Und da kann der aufbrausende, manchmal unbeherrschte, laktose-intolerante Deutsche gar nicht anders, als der mallorquinischen Polizei unter die Arme zu greifen.
Die Geschichte braucht ein paar Seiten, um in Fahrt zu kommen und ich hatte ein paar Seiten gebraucht, um mich in der Geschichte zuhause zu fühlen. Dann aber hatte mich die Spannung gepackt und bis zu dem vielleicht etwas abrupten Ende nicht mehr losgelassen.
Laut Beschreibung ist der Thriller als Urlaubslektüre gedacht, vielleicht ist es deshalb auch ein wenig kurz. Und das ist es auch. Keine große Literatur, dafür sind auch zu viele Fehler drin (egal, wie platt man ein Schnitzel klopft, es hat nie einen Durchmesser, höchstens eine Dicke). Aber ich fand das Buch sehr spannend, die Gräueltaten vielleicht ein bisschen zu anschaulich in den blutigen Einzelheiten geschildert; Unterhaltungsliteratur, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht hätte ich mir von einem journalistisch tätigen Autor mehr Stilsicherheit und weniger Fehler erwartet. Aber dennoch: ich freue mich auf die im Laufe des Jahres geplante Fortsetzung.

Vier Sterne.

Raubkind von Dorothee Schmitz-Köster


Klaus B. wurde in Dresden geboren und nach dem Tod seiner Eltern als fünftes Kind von einer deutschen Familie aus einem Lebensborn-Heim adoptiert. Mit diesem Wissen wuchs der inzwischen fast 80-jährige gelernte Möbelschreiner auf. Aber irgendetwas fehlt in seinem Leben. Wurzeln. Die Gewissheit über seine Herkunft. Und dann wird er von der Journalistin Dorothee Schmitz-Köster kontaktiert, die ihre Arbeit vorwiegend der NS-Geschichte und den Lebensborn-Heimen gewidmet hat.
Sie recherchiert und bringt Unglaubliches zutage. Klaus B. stammt mitnichten aus Dresden, sondern wurde als knapp Fünfjähriger 1943 vermutlich von der SS seiner Familie in Polen geraubt. Name, Abstammung und sogar das Geburtsdatum sind falsch.
Und so erfährt der Leser am Beispiel von Klaus B. (dessen Vorname selbstverständlich eingedeutscht, also germanisiert wurde, so wie der ganze Mensch), dass tatsächlich Zehntausende Kinder in Polen und anderen Teilen Osteuropas dasselbe Schicksal erlitten hatten. Blonde, blauäugige Kinder (also mit arischem Aussehen), wurden den Familien einfach so weggenommen, in Deutschland in Heimen untergebracht und dann (wenn sie germanisiert waren, also die deutsche Sprache beherrschten und ihre Vergangenheit und ihre Ursprungsfamilie weitestgehend vergessen hatten) als Pflege- und Adoptivkinder an linientreue Familien vermittelt. Tatsächlich wissen viele dieser „Raubkinder“ bis heute nichts über ihre Abstammung.
Klaus B. ist hin- und hergerissen ist zwischen der Hoffnung, seine Wurzeln zu finden und dem Wunsch, einfach weiterhin alles ignorieren zu können. Seine bewussten Erinnerungen setzen erst nach dem fünften Lebensjahr ein, tief in sich weiß er, dass da noch mehr sein muss. Und Dorothee Schmitz-Köster dringt tief in die Geschichte der „Raubkinder“ ein, in ein Dickicht aus Bürokratie (polnischer und deutscher) und findet das, was er in seinem Leben vermisst hat: seine Wurzeln, seine Herkunft und tatsächlich noch einen polnischen Familienzweig. Zwar ist seine Mutter inzwischen verstorben und sein Vater unbekannt, aber er hat Halbgeschwister, die ihrerseits Familien haben. Und er erfährt, dass seine Mutter ihn nie vergessen hat und auch die Hoffnung nie aufgeben hat, ihn noch einmal wieder zu sehen.
Das Buch ist so gesehen kein Roman. Und keine Biografie. Es ist eine Mischung aus Sachbuch und Reportage. Den Leser macht das Schicksal von Klaus B. zwar betroffen, man hat aber stets eine Distanz, sowohl zu Klaus B., als auch zur Autorin, die das immer nur „die Journalistin“ genannt wird. Zwar sind dem Leser die Personen sympathisch, aber sie bleiben ohne wirkliche charakterliche Tiefe und distanziert.
Man kann einiges an Emotion zwischen den Zeilen lesen (oder hinein interpretieren). Die Unsicherheit und Angst von Klaus B., die man nicht zuletzt daran sieht, dass er seinen Namen nur im Initial preisgibt. Die Tatsache, dass er zuerst nicht möchte, dass die Geschwister seine Frau von seiner Vergangenheit erfahren. Dabei ist es weder seine Schuld, dass er ursprünglich aus Polen stammt, noch, dass er sich an seine Vergangenheit nicht erinnert, noch, dass er damals entführt wurde und sein neues Leben ihm aufgezwungen wurde. Inzwischen hat er sich damit wohl arrangiert. Briefe an die Verwandtschaft in Polen unterzeichnet er mit seinem deutschen und seinem polnischen Namen.
Insgesamt fand ich das Buch etwas holprig zu lesen. Ja, es macht betroffen und nachdenklich. Aber zu der Tatsache, dass der Inhalt sehr schwere Kost ist, machte der neutral-deskriptive Stil, die Fußnoten und sogar die Kennzeichnung der Zitate mit  (sic!) das Buch definitiv nicht zur Unterhaltungslektüre.
Wohlmeinende 3 Sterne