Donnerstag, 8. Januar 2026

Kein schöner Land - Peter Jordan

Peter Jordans Buch „Kein schöner Land“ ist kein Roman, sondern ein Essay mit 160 Seiten. Ich habe die Ausführungen des Autors sehr gern gelesen, er hat einen angenehmen Stil und seine Gedankengänge fand ich interessant, wenn sie auch für mich nicht immer ganz nachvollziehbar waren.

„Kein schöner Land in dieser Zeit“ – dieses bekannte Volkslied, das sein kleiner Sohn eines Abends mit ihm singen möchte, löste bei Peter Jordan eine wahre Gedankenflut aus. Er ordnet die deutsche Geschichte nach 1933, den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach in sein eigenes Leben ein. Wie so viele wuchs auch er mit einem Vater auf, der Soldat gewesen war, sein Onkel Paul kam nicht aus dem Krieg zurück, Onkel Bruno überlebte eher durch Zufall. Er selbst spielte in einigen Filmen Nazis, zuletzt Karl Dönitz in „Nürnberg“. Und er sucht Identität. Denn er hat das Gefühl, dass ihm (und nicht nur ihm) die deutsche Kultur abhandengekommen ist. Soweit kann ich mit dem Buch mitgehen. Denn auch meine Generation (ich bin ziemlich genau zehn Jahre jünger als Peter Jordan) hat lieber englischsprachige Musik gehört, wobei zu meiner „Sturm und Drang Zeit“ deutsche Musik langsam wieder aufkam. Zu seiner Zeit war das deutsche Liedgut verstaubt, altbacken und eventuell negativ konnotiert, zu meiner Zeit war es „einfach nicht mein Ding“, mit deutscher Literatur ergeht es mir ähnlich.

Sein Essay fand ich gut, flüssig geschrieben und interessant zu lesen. Beinahe hätte ich es gar nicht erst gelesen, weil ich den Klappentext so pathetisch fand. Zum Glück ist das Buch ganz anders. „Peter Jordan sagt von sich selbst, es gebe keinen Tag, an dem er nicht an Krieg und Shoah denke.“ – die Aussage finde ich ein bisschen drüber. Natürlich ist Krieg angesichts so vieler Konflikte weltweit ein alltägliches Thema, manchmal ploppt auch in meinem Geist der Gedanke an die Rolle meiner (Ur)Großeltern im zweiten Weltkrieg hoch. Tatsächlich habe ich im Nachhall der Lektüre von „Kein schöner Land“ in den Wehrmachts-Archiven nach den Namen meiner Verwandten gesucht. Als trans Mensch ist da alles in meinem Leben natürlich präsent, aber ich kann nicht von mir behaupten, dass kein Tag vergeht, an dem ich nicht daran denke. Sorry.

Abgesehen davon ist das Buch ehrlich und schonungslos, und das hat mich sehr beeindruckt. Peter Jordan analysiert mit spitzen Bleistift und dadurch wird das Buch sehr intensiv und regt zum Nachdenken und Reflektieren über die eigene Familiengeschichte und die eigene Haltung zu dem angesprochenen Thema an. Ein bedrückendes Buch, das heute, wo Patriotismus zunehmend von extremistischen Kräften gekapert wird, eventuell wichtiger ist, denn je.

Von mir fünf Sterne.

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