„Teure Täuschung“ von Eva Ehley ist ein Krimi, mit dem ich nicht wirklich warm wurde. Die Geschichte an sich hätte ganz gut werden können, aber die Ermittler haben mir den Spaß daran verdorben. Es war der letzte Teil der Sylt-Krimi-Reihe der Autorin und ich denke, dass es auch an der Zeit war, Bastian Kreuzer, Silja Blanck und Sven Winterberg zu den Akten zu legen.
Aber von vorn.
Kriminalhauptkommissar Bastian Kreuzer, seit einiger Zeit heimlich mit Kollegin Silja Blank verheiratet, schickt jedes Jahr seiner ex-Frau Nora Graff eine Karte zum Geburtstag. Die bedankt sich jedes Mal per SMS bei ihm. Dieses Jahr bleibt ihre Rückmeldung aus und der Polizist ist besorgt. Da Kreuzer es seiner (dritten) Ehefrau Silja bislang verschwiegen hat, muss er sich mit seinen Sorgen allein herumschlagen. Er heuert den Journalisten Fred Hübner an, sich an Noras Wohnort Flensburg umzuschauen. Schnell findet Hübner heraus, dass Nora ihre Zelte in Flensburg abgebrochen hat und sich auf Sylt befinden soll. Parallel dazu wartet „echte“ Polizeiarbeit auf das Ermittlertrio Bastian Kreuzer, Silja Blanck und Sven Winterberg, denn es wird eine Wasserleiche am Brandenburgerstrand bei Westerland angeschwemmt. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich dabei um eine Frau und auffällig an ihr ist die pinkfarbene und sehr teure Bikinihose. Bastians erste Befürchtung ist, es könnte sich bei der Toten um seine Frau handeln, deshalb muss er seine möglichen Verbindungen zu dem Fall offenlegen, was bei seiner Frau nicht besonders gut ankommt und zu einigen Streitereien führt. Aber Nora ist nicht die einzige Frau, die vermisst wird.
Wie üblich spielt die Handlung innerhalb eines sehr überschaubaren Zeitraums, dieses Mal zwischen dem 16. und dem 25. Juni, die Kapitel sind, wie gewohnt, mit Tag, Datum und dem Ort der Handlung überschrieben. Und auch der Rest bietet nichts wirklich Überraschendes, die Krimis der Serie folgen einem ziemlich einheitlichen Strickmuster. Die Geschichte an sich hätte sehr spannend sein können, leider war sie das aber nicht. Mir wurden die Protagonisten mit jeder Seite unsympathischer. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, dazu kommt das Eifersuchtsgeplänkel zwischen Bastian und Silja und im Endeffekt konnte ich in dem Buch erst sehr spät echte Spannung finden. Der Schluss hingegen ist ein echter Paukenschlag und konnte mich mit dem Buch dann doch noch etwas versöhnen. Nicht versöhnt bin ich hingegen mit den Charakteren, die haben sich in den letzten Teilen der Serie für mich in eine völlig seltsame Richtung entwickelt. Ich hätte nie gedacht, dass mir irgendwann einmal der Journalist Fred Hübner und seine Lebensabschnittsgefährtin, Staatsanwältin Elsbeth von Bispingen sympathischer sein würden als die Ermittelnden. Von denen scheint aber so richtig Lust am Ermitteln zu haben, Dienstbesprechungen finden eher in der Pizzeria und zwischen Tür und Angel statt, das war mir dann doch zu viel Work-Life-Balance.
„Teure Täuschung“ ist ein gegen Ende sehr spannender Krimi, der sich in der ersten Hälfte eher auf Beziehungsstress konzentriert. Sprachlich ist er gut und flüssig zu lesen, wobei sich die Autorin für mich ab und zu in der Wortwahl vertut („Der große Parkplatz am Zugang zum Brandenburgerstrand ist komplett besetzt. Vans und Mittelschichtautos, Smarts und Luxuskarossen drängen sich dicht an dicht [..]“ – was sind denn bitte „Mittelschichtautos? Ich denke, es sind eher Mittelklassewagen. Und warum sind SUV nicht für die Mittelschicht?). Alles in allem ist er unterhaltsam, bietet eine Menge Lokalkolorit und ist mit Sicherheit ein Muss für Fans der Autorin und der Serie. Der Abspann zeigt deutlich, dass es sich um den Abschluss der Reihe handelt, alle losen Fäden werden damit verknüpft und es ist ein stimmiges Ende. Ich würde jedem, der in die Reihe einsteigen möchte, raten, dies nicht mit diesem Buch zu tun. Zwar kann man es auch alleinstehend lesen, es könnte aber dem einen oder anderen eventuell die Lust am Weiterlesen verderben und das wäre bedauerlich.
Ich bin gespannt, was Eva Ehley als nächstes plant, für dieses Buch vergebe ich für den gelungenen Schluss vier Sterne.
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