Donnerstag, 2. April 2026

Ostseedämmerung - Eva Almstädt

Eva Almstädts „Pia-Korritki-Krimis” sind eigentlich immer ein Garant für spannende Lektüre. Bei ihrem 20. Fall „Ostseedämmerung“ bin ich mir allerdings etwas unsicher. Ja, das Buch war spannend und hat mich bestens unterhalten. Aber mit dem Setting und vor allem mit den von der Autorin für ihre Charaktere gewählten Namen konnte ich mich nur sehr schwer anfreunden. Alles in allem war es für mich aber dennoch ein gelungenes Werk. 

Aber von vorn. 

Katharina und Vito, zwei Kinder aus dem beschaulichen Dorf Hövelau, finden beim Spielen in einem Teich auf dem Gelände eines Gutshofs ein Artefakt aus der Wikingerzeit. Gutsherr Hubertus von Streben nimmt den Kindern die bronzene Gewand-Fibel ab, meldet den Fund aber der Polizei. Die bringt das Stück schnell mit einem rund eineinhalb Jahre alten Vermisstenfall in Verbindung. Die Archäologiestudentin Mira Schneider hatte die Fibel damals gefunden und war mitsamt dem Artefakt spurlos verschwunden. Sie hatte sich in einer kleinen Kate auf dem Gelände des Gutshofs eingemietet. Pia Korritki und ihr Team rollen den Fall wieder auf und ermitteln in alle möglichen Richtungen. Pias Eltern werden ebenso durchleuchtet wie der noch-Ehemann, ihr Chef, Kollegen und natürlich ihr Vermieter Hubertus von Streben und andere Bewohner von Hövelau. Aber die Ermittlungen kommen nur sehr schleppend voran, denn die Aussagen sind zum Teil sehr gegensätzlich und alles in allem sind die Befragten nur wenig hilfreich. Kurze Zeit später wird in einem  Waldstück in etwa 3 km Entfernung Miras Leiche gefunden, die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergeben schnell, dass die junge Frau ermordet wurde. Der Fall wird immer komplexer und als die Ermittlungen dann erste Ergebnisse zu bringen scheinen, verschwindet Pias Kollege Heinz Broders ebenfalls spurlos und die Suche nach ihm bekommt oberste Priorität. 

„Ostseedämmerung“ ist für mich ein solider und bodenständiger Krimi. Aber es gibt bei diesem Buch für mich ein großes „Aber“. Die Namen, die Eva Almstädt ihren Charakteren auf den Leib gedichtet hat, erinnerten mich schwer an die Adels- oder Fürstenromane, die meine Oma so gern gelesen hat. Hubertus und Penelope, Vito und Katharina (genannt Trine) – das fand ich alles irgendwie viel zu altbacken und übertrieben konservativ. Dabei sind die Charaktere allesamt gut beschrieben und bei weitem nicht so verknöchert, wie ich es bei ihren Vornamen erwartet hätte. Auch die anderen Charaktere sind sehr bildhaft beschrieben, Fans der Serie kennen Pia Korritki und ihr Umfeld ja schon seit Jahren und konnte die Entwicklung mitverfolgen. Ich bin da eher ein „Spätberufener“. Pias Entwicklung spielt in der Reihe eine große Rolle, auch in diesem Band ist ihr Privatleben ist mit Freund Marten vom LKA Kiel, ihrem ex-Freund Hinnerk und ihrem Sohn Felix turbulent.

Und so wurde es dann doch nicht die befürchtete „Götterdämmerung“, sondern eine spannende Lektüre. Die Geschichte ist gut konstruiert und clever aufgebaut, der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an. Etwa ab der Hälfte des Buchs bin ich nur so durch die Seiten geflogen, die Ausflüge in Pias Privatleben waren da willkommene Verschnaufpausen. Die Kombination aus dem Cold Case mit der verschwundenen Studentin, dann die Mordermittlungen und zuletzt die fieberhafte Suche nach dem verschwundenen Kollegen Heinz Broders gibt dem Buch einen ganz besonderen Touch. Da habe ich auch wirklich mitgefiebert, vor allem, da der Teil des Buchs aus seiner Perspektive erzählt wird. Die Sprache ist bodenständig und das Buch liest sich sehr flüssig. Der Lokalkolorit kommt, wie von Eva Almstädt nicht anders gewohnt, auch nicht zu kurz. Der Schluss ist stimmig und so ist das Buch für mich eine runde Sache und eine unterhaltsame Lektüre. Von mir fünf Sterne.


Fünf Fremde - Romy Fölck

Vorab: ich liebe die Frida Paulsen-Krimis von Romy Fölck, daher dachte ich, ich könnte mit ihrem neuesten Buch „Fünf Fremde“ nichts falsch machen. Und damit lag ich vollkommen richtig. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, den roten Faden im Krimi zu finden, war ich vollauf begeistert und konnte nicht erwarten, die Lösung des Falls zu erfahren. 

Aber von vorn. 

Fünf Menschen treffen auf der Nordseeinsel Neuwerk aufeinander. Annika ist die Einzige, die auf der Insel verwurzelt ist, ihre Mutter Hedda lebt noch auf Neuwerk, ihr Onkel Ole ist der Inselobmann. Die Kriminalpolizistin selbst lebt aber in Hamburg. Mats Nilsson ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Die Schriftstellerin Sinje Bianchi lebt eigentlich in Rom. Michelle Welm will eigentlich die Stelle als neue Vogelwartin auf Scharhörn antreten und sich auf Neuwerk mit ihrer Vorgängerin treffen. Charlotte Hähnel war früher Lehrerin und ist jetzt Nonne, sie ist mit Annikas Mutter Hedda befreundet und möchte ihr einen Besuch abstatten. Diese vollkommen verschiedenen Menschen haben eines gemeinsam: sie waren vor 30 Jahren schon einmal auf Neuwerk gewesen. Damals war die 13jährige Isa zusammen mit dem gleichaltrigen Janosch nachts aus dem Schullandheim verschwunden. Kurze Zeit später wurde sie schwer traumatisiert gefunden, Janosch blieb verschwunden. Kaum sind die fünf jetzt auf Neuwerk angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Annikas demente Mutter gräbt auf dem Friedhof der Namenlosen, auf dem seit dem 14. Jahrhundert ertrunkene Seeleute begraben wurden, ein Skelett aus. Es trägt einen sehr besonderen Ring am Finger. Annika kennt diesen Ring. Doch kann es tatsächlich der seit 30 Jahren vermisste Janosch sein? 

Die Geschichte auf einer Insel spielen zu lassen, die nur einmal am Tag per Fähre, per Wattwagen und für ein paar Stunden am Tag zu Fuß zu erreichen ist, ist wirklich clever. Klaustrophobischer und mehr „locked in“ geht gar nicht, zumal zu Anfang des Buchs ein Sturm aufzieht, der sich, parallel zur Spannung in der Geschichte zum Orkan entwickelt. A propos Spannung. Anfangs habe ich eine Weile gebraucht, um herauszubekommen, wohin die Geschichte führen würde. Die Geschichte wird aus der Sicht jeder der fünf Hauptpersonen erzählt, dazu springt die Autorin nicht nur von Person zu Person, sondern auch von 2025 nach 1995 und zurück, was mich anfangs zugegebenermaßen irritiert hat. Als ich mich aber auf die Geschichte eingelassen habe, hat sie mich gepackt und der Spannungsbogen wuchs kontinuierlich an. Dennoch blieb es für mich eher ein solider Krimi, denn ein Thriller.

Punkten kann das Buch bei mir definitiv mit Lokalkolorit und Atmosphäre. Die Landschaft der Insel Neuwerk mit ihren rund 3km² Fläche, den 20 festen Einwohnern ist anschaulich beschrieben und macht Lust, einmal hinzureisen. Der Orkan ist ebenfalls sehr bildhaft beschrieben, man kann den Sturm und die klaustrophobische Stimmung nachvollziehen. 

Die Charaktere sind eventuell ein bisschen zu stereotyp und die Geschichte an sich viel zu konstruiert, aber sie ist gut konstruiert und das ist es, was ich von einem Buch erwarte, das mich hauptsächlich unterhalten soll. Wirklich mitfühlen konnte ich mit keinem der Charaktere, obwohl die Autorin jeder auch eine Portion Privatleben auf den Leib geschrieben hat (zum Beispiel ist Annikas Ehe zerrüttet, ihre Mutter ist dement und sie hat gesundheitliche Probleme; Sinje ist verwitwet und schreibt an einem Cold-Case-Krimi; Michelle möchte so weit wie möglich von ihrer Familie und ihrem ex-Freund wegkommen) Sympathisch war mir aber am ehesten noch die ehemalige Lehrerin und spätere Nonne Charlotte. Sie ist auch eine der wenigen Beteiligten, die aus ihrem Handeln Konsequenzen zieht, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Die Auflösung des Falls ist stimmig und passt zur absolut hanebüchen konstruierten Geschichte. Der Titel des Buchs erinnert an „Nine perfect strangers“ von Liane Moriarty und natürlich an Enid Blytons „Fünf Freunde“. Letztere sind ähnlich abstrus konzipiert, mit viel zu vielen Zufälle und komplizierten Verquickungen - aber ich mag sie trotzdem. 

Es ist ganz sicher nicht Romy Fölcks bestes Buch, aber da sie einen sehr angenehmen Schreibstil hat und ich mich durch „Fünf Fremde“ gut unterhalten gefühlt habe, vergebe ich vier Sterne.


Das Winterbuch - Tove Jansson

Bislang kannte ich Tove Jansson nicht, ich kann mich nicht einmal wirklich erinnern, ob ich die Mumins kenne. Nachdem ich „Das Winterbuch“ gelesen habe, bin ich bezüglich der finnlandschwedischen Autorin etwas zwiegespalten und unsicher, ob ich mich weiterhin mit ihrem Werk beschäftigen möchte. Aber manche der Geschichten haben mich wirklich begeistert. 

„Das Winterbuch“ ist kein Roman, es ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Kurzgeschichten und Erzählungen, ein paar sind auch einzelne Kapitel aus Tove Janssons Büchern für Erwachsene. Die Geschichten sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt und haben unterschiedliche Themen, es gibt keinen wirklichen roten Faden. Die einzige verbindende Gemeinsamkeit (außer, dass sie von derselben Autorin verfasst worden sind) ist das Thema Winter und die Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen. 

Ich muss sagen, dass das Buch nicht ganz das war, was ich erwartet hatte, nachdem mich die Kritiken und das Vorwort neugierig gemacht hatten. Zwar fand ich einige Geschichten ganz wundervoll und sie werden noch  lange in mir nachhallen, andere fand ich einfach nur viel zu düster. Ans Herz ging mir „Weihnachten“. Schon der erste Satz „JE KLEINER MAN IST, desto größer wird Weihnachten“ birgt so viel Wahrheit, dass ich kräftig schlucken musste. Ebenso tief berührt hat mich „Shopping“, das mich irgendwie an „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert erinnert, keine Ahnung, wieso. Alles Geschichten regen zum Mit- und Nachdenken an.

Sprachlich finde ich das Buch bemerkenswert. Es ist stellenweise poetisch, voller Bilder und Gefühle und an anderen Stellen minimalistisch und regt mehr zu Kopfkino an. Was mir zu schaffen machte, war die Düsternis, die sich durch alle Geschichten zieht. Ja, skandinavische Winter sind lang und dunkel, die Tage sind kurz und die Nächte wirklich lang. Das kann einen wirklich an seine Grenzen bringen. Aber manchmal war mir die Melancholie einfach zu viel und ich musste das Buch weglegen. Daher rate ich jedem, der sich überlegt, das Buch zu lesen, in sich zu gehen, ob er sich der Dunkelheit stellen möchte, die er darin finden wird (vor allem bei der derzeitigen politischen Weltlage). Von mir gibt es für die überragende sprachliche und übersetzerische Leistung vier Sterne. 


Donnerstag, 5. März 2026

Todeskeller. Das Cold-Case-Team Berlin ermittelt - Andreas Suchanek, Nica Stevens

„Todeskeller. Das Cold-Case-Team Berlin ermittelt“ ist ein Thriller von Andreas Suchanek und Nica Stevens, der Auftakt zu einer neuen Serie sein soll. Das Autorenduo kenne ich schon von ihrer „Rachejagd“-Trilogie. Das Buch erschien im November 2024 und ich fand es so gut, dass ich jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung warte. Eigentlich bin ich kein Cold-Case-Fan, aber durch die Verknüpfung des alten Falls mit einem neuen Verbrechen wurde das Buch für mich zu einem Volltreffer. 

Aber von vorn.

In Berlin nimmt eine neue Europol-Abteilung für Cold Cases ihre Arbeit auf. An vorderster Front arbeiten dort die deutsche Kommissarin Sophie Steinbach und der französische Commissaire Générale David Martin. Das Team im Hintergrund besteht aus Markus Ebner (Sekretariat und Presse), ITlerin Ebba Karlsson, Forensikerin Zuzanna Tomszewska und dem Profiler Matteo Rossi unter der Leitung von Oliver Alvarez. Der erste Fall des Teams hat es direkt in sich: zwei Polizisten finden bei der Begehung eines Abrisshauses ein Massengrab. Das Haus wurde früher als „Jugendwerkhof“ genutzt, so wurden in der ehemaligen DDR die „Heime für schwereziehbare Jugendliche“ genannt. Wer als schwer erziehbar galt, wurde von der Politik festgelegt, oft wurden in diesen Heimen auch Kinder von Republikflüchtlingen oder „unbequemen“ Bürger:innen zur „Umerziehung“ interniert. Aber die Skelette sind nicht der einzige Fund, denn in dem Haus wird auch eine frischere Leiche gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen französischen Staatsbürger handelt. Die Spur führt Sophie und David in ein Waisenhaus in Frankreich. Und nach und nach kristallisiert sich etwas heraus, was sich die Ermittler in ihren übelsten Alpträumen nicht hätten vorstellen können.

Der Thriller hat mich von der ersten Seite an gepackt. Schande über mich, dass ich über ein Jahr gebraucht habe, um ihn überhaupt erst anzufangen – gelesen habe ich ihn dann innerhalb eines Tages. Die „Jugendwerkhöfe“ der ehemaligen DDR kannte ich, weil ich vor einiger Zeit viel über das dänische Kinderheim „Godhavn“ recherchiert habe. Die Grausamkeiten waren ähnlich, nur die Gründe und der politische Anstrich waren andere. Die Geschichte hier im Buch ist sehr clever konstruiert und packend geschrieben. Die Sprache ist flüssig und daher ist das Buch flott zu lesen. Der historische Hintergrund des Buchs ist bedrückend und äußerst realistisch. Erschreckend, was Menschen zu tun in der Lage sind, wenn man ihnen Macht und Gelegenheit dazu gibt.

Die Charaktere sind alle sehr interessant beschrieben. Sophie und David stehen im Mittelpunkt, sie sind natürlich am ausführlichsten dargestellt. Beide haben spannende Vergangenheiten, die sie bis in die Gegenwart prägen und verfolgen, da ist noch eine Menge Potential für weitere Teile, die es hoffentlich geben wird. Insgesamt hat sich das Autorenduo nicht nur bei der Geschichte, sondern auch bei den Charakteren sehr viel Mühe gegeben. Die an den Ermittlungen Beteiligten haben unterschiedliche Fachbereiche und kommen aus verschiedenen Ländern. Am Anfang des Buchs treffen sie zum ersten Mal aufeinander, die Zusammenarbeit funktioniert aber schnell sehr gut, es wird Hand in Hand ermittelt und das erste „Beschnuppern“ bringt der Leserschaft die verschiedenen Beteiligten näher. Manche Passagen ziehen sich ein wenig, aber alles in allem ist die Handlung sehr dicht und packend erzählt. 

Der Spannungsbogen ist hoch, unterbrochen wird er ab und zu durch Ausflüge ins Privatleben der Ermittelnden, die zum Teil aber auch zur Lösung des Falls beitragen, zumal Sophie in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist. Für David sind die Ermittlungen in Frankreich sozusagen ein „Heimspiel“, er ist vor allem unverzichtbar, da Sophie kein Französisch spricht. Exkurse ins Private bringen der Leserschaft die Charaktere näher und die Balance zwischen Arbeit und Privatleben wurde vom Autorenduo hervorragend erarbeitet. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Sophie und David erzählt werden, endet fast jedes mit einem kleinen Cliffhanger, was die Spannung enorm steigert. Das Buch endet nach der stimmigen Lösung des Falls mit einem großen Cliffhanger und macht Lust auf mehr.

„Todeskeller“ war für mich eine sehr spannende Lektüre, die ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Ich empfehle das Buch allen, die gekonnt konstruierte Thriller mit sehr verschiedenen und sympathischen Ermittlern mögen, spannende Geschichten mit realem Hintergrund zu schätzen wissen und überhaupt empfehle ich es allen, die gerne enorm spannende Bücher lesen. Von mir fünf Sterne. 


Der Tod wischt mit (Ein Fall für Tilly Blich Teil 2) - Andreas Suchanek

Ich mag die Bücher von Andreas Suchanek wirklich sehr. Aber mit „Der Tod wischt mit“, dem zweiten Teil aus seiner neuen „Ein Fall für Tilly Blich“-Reihe (den ersten Teil kenne ich nicht) konnte er mich nicht begeistern. Weder sprachlich noch inhaltlich oder konzeptionell war das Buch etwas für mich. Das macht es nicht zu einem schlechten Buch, sondern zeigt mir, dass ich für Cozy Crime nicht geschaffen bin. 

Aber von vorn.

Nachdem Tilly Blich vor kurzer Zeit erst über eine Leiche gestolpert ist und den Mordfall vor der Nase von Kriminalhauptkommissar Stubs gelöst hat, will sie sich jetzt mit Unterstützung von Gerdy und Leon verstärkt ihrer Putzfirma „Plitz & Blank“ widmen. Das ist auch deshalb wichtig, da ihr der Kriminalhauptkommissar das Finanzamt in Person des Steuerprüfers Herrn Höffler auf den Hals gehetzt hat. Bei ihrem ersten Einsatz in der Untertannberger Schulturnhalle stolpert sie allerdings wieder über eine Leiche. Dieses Mal liegt der Schulleiter tot zwischen den noch aufgebauten Turngeräten. Und auch dieses Mal müssen Tilly und Co. bei den Ermittlungen wieder unterstützend tätig werden, denn es gibt eine Menge Verdächtige  und der Weg zur Lösung des Falls ist steinig.

Die Geschichte rund um Tilly Blich und ihr Team finde ich nett geschrieben. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, allerdings gingen sie mir fast alle nach wenigen Seiten schon ziemlich auf die Nerven. Einzig der „ruhende Pol“ Gerdy, der Steuerprüfer Herr Höffler und natürlich Welpe Muffin konnten mich abholen und sie waren auch die einzigen, zu denen ich eine gewisse Nähe aufbauen konnte. Die restlichen Charaktere waren mir entweder zu platt oder zu plakativ, oder auch beides, beschrieben (zum Beispiel Frau von Lampenstell und ihr Sohn Hartmut-Eloi). Auch die gewählten Namen für die jeweiligen Personen mögen witzig gemeint sein, was für mich aber nur sehr mittelmäßig funktionierte.

Auch sprachlich konnte ich dem Buch wesentlich weniger abgewinnen als Andreas Suchaneks anderen Werken. Außerdem wurden für mich die Worte „Lieblings-Blich“ und „Tony-Teufel“ eindeutig zu inflationär verwendet. Die Liebesgeschichten zwischen Leon und seinem Freund Emil und Tilly und Sascha (da fehlen mir Vorkenntnisse aus dem 1. Teil der Reihe) fand ich okay, dazu kamen dann aber noch die Steuerprüfung und die Geschichte rund um Tillys Freundin Antonia (Jurastudentin im Fernstudium mit Nagelstudio). Das alles machte das Buch für mich ein bisschen zu überladen und die Balance zwischen Fall, Ermittlungen und „Beiwerk“ funktionierte für mich nicht.

Vielleicht bin ich inzwischen tatsächlich zu alt für die „freshe“ Sprache, für mich wirkte alles gezwungen jugendlich und nicht, wie vermutlich geplant, witzig und charmant. Alles in allem funktioniert für mich das Konzept Cosy Crime eindeutig nicht. Das ganze Buch war für mich eine Mischung aus Groschenroman und Seifenoper. Stereotyp, überladen und dazu auch noch sprachlich eher flach. Schade. Ich mag von Andreas Suchanek sowohl seine Jugend-Fantasy-Bücher als auch seine Thriller, aber das Buch war für mich echt in Griff in die Tonne.

Da das eventuell auch an mir liegt, ich aber eine Bewertung abgeben muss, vergebe ich gute drei Sterne und gelobe, künftig die Finger von allen Cosy Crime Werken zu lassen. 


Freitag, 13. Februar 2026

Bornholmer Spur - Katharina Peters

„Bornholmer Spur“ ist der Titel des sechsten Teils von Katharina Peters‘ Serie um die BKA-Ermittlerin Sarah Pirohl. Wieder einmal pendelt die Kommissarin zwischen Deutschland und der dänischen Insel Bornholm, trifft alte Bekannte und einen Cold Case, der es in sich hat. Nachdem mich „Bornholmer Finale“ und „Bornholmer Geheimnis“ wenig überzeugt haben, hat mich der aktuelle (und eventuell letzte Teil) der Reihe vollkommen begeistert.

Aber von vorn.

Bei Bauarbeiten in einem leerstehenden Ferienhaus in Kellenhusen in Ostholstein werden die Überreste eines jungen Mannes gefunden. Schnell wird klar, dass es sich dabei um den vor zehn Jahren spurlos verschwundenen Studenten und Hobbykacker Nils Holby handelt. Der war seinerzeit Teil einer Gruppe, die zu Themen wie Wirtschaftskriminalität und Rechtsextremismus recherchiert hatte. Pikant an dem Fall ist aber, dass in demselben Ferienhaus, vermutlich zur gleichen Zeit, auch der Hamburger Rechtsanwalt Joseph May, seine Frau und seine beiden Kinder getötet worden waren. Ihre Leichen waren von dem damals 18jährigen Adoptivsohn Simon Roth entdeckt worden, die Leiche von Holby war vergraben worden und blieb deshalb unentdeckt. Noch pikanter ist aber die Tatsache, dass in dem Ferienhaus vor 13 Jahren mit dem Vater-Sohn-Gespann Karsten und Florian Sander schon einmal zwei Menschen ermordet worden waren. Hängen all diese Mordfälle zusammen? Welche Spur führt nach Bornholm? Sarah Pirohl und ihr Team ermitteln in diesem Cold Case und sind selbst überrascht, in welchem Spinnennetz sie sich plötzlich befinden: der Fall zieht viel weitere Kreise, als sich irgendwer überhaupt hätte vorstellen können. 

Nach zwei für mich eher mauen Krimis hat Katharina Peters mit diesem Buch wieder einmal einen Krimi der Extraklasse vorgelegt. Sprache, Konzept, Spannungsaufbau und Charaktere – bei diesem Werk stimmt für mich einfach alles. Sprachlich ist das Buch bodenständig, angenehm und flüssig zu lesen. Die Charaktere „kenne“ ich teilweise seit dem ersten Teil der Serie, ich habe ihre Entwicklungen mitverfolgt und sie dabei begleiten dürfen, wie sie zu denen wurden, die sie in diesem Buch sind. Bei eigentlich allen habe ich mich über ein Wiedersehen gefreut. Katharina Peters hat jeden Charakter liebevoll ausgebaut, auch die eher zweifelhaften ihrer Figuren haben von ihr liebenswerte Eigenschaften mitbekommen und, ja, mein Lieblingscharakter Krølle ist einer von ihnen. Der ehemalige Auftragskiller ist wieder einmal der Lieferant unverzichtbarer Informationen aus dem Hintergrund. Sarah Pirohl ist, wie bei jedem Fall, Freundin von eigenwilligen, bauchgefühl-gesteuerten Alleingängen – und wie so oft beweist sie den richtigen Riecher. In diesem Teil der Serie ist sie ein bisschen zwischen zwei Partnern hin- und hergerissen. Die Affäre mit Staatsanwältin Kathleen Bischoph ist in der Schwebe, und dann taucht auch plötzlich ihr ex-Freund, der dänische Journalist Frederik Thomsen wieder in ihrem Leben auf. 

Die Spannung baut sich in diesem Buch kontinuierlich auf, es wird zwar nur im letzten Teil greifbar spannend, aber ein unterschwelliges angespanntes Gefühl im Bauch hatte ich als Leser schon ab der ersten Seite. Das Konzept des Buchs ist ausgefeilt und gekonnt umgesetzt. Der Mord an dem jungen Studenten, dessen Überreste zu Anfang des Buchs gefunden werden, ist nur die Spitze des Eisbergs. Wie bei einem Puzzle setzt Sarah Pirohl die Lösung des extrem komplexen Falls zusammen, wie die verschiedenen Gewaltverbrechen miteinander zusammenhängen – darauf muss man erst einmal kommen! Cold Case trifft bei diesem Buch auf aktuelle und brisante Themen und alles wird sehr gelungen verwoben.

Die Geschichte war für mich ein echt wilder Ritt, das Tempo ist sehr hoch und man kann es kaum aus der Hand legen, wenn man erst einmal in den Sog geraten ist. Nachdem ich dachte, mit „Bornholmer Finale“ sei die Reihe beendet, freue ich mich, dass sie doch noch weiterging. Man darf allerdings gespannt sein, ob dieses Buch allerdings den Schlusspunkt darstellt. Sollte es so sein, dann endet die Reihe mit einem wahren Paukenschlag. Für mich war das Buch ein echter Volltreffer und ich empfehle es jedem, der gerne intelligent konstruierte und angenehm geschriebene Krimis liest. Es ist Teil einer Serie und es empfiehlt sich, alle Teile in der richtigen Reihenfolge zu lesen, aber verstehen und genießen kann man das Buch natürlich auch einzeln. Von mit fünf Sterne


Montag, 9. Februar 2026

Der tiefe Grund - Anna Johannsen

„Der tiefe Grund“ ist der zweite Teil von Anna Johannsens neuer Serie um Oberkommissarin Lea Nielsen. Auch in diesem Buch verknüpft die Autorin das komplizierte Privatleben der knapp 30jährigen Ermittlerin mit einem noch komplizierteren Fall, aber hundertprozentig überzeugen konnte sie mich damit nicht. Schon in „Das erkaufte Glück“ konnte ich mit Lea Nielsen nicht warm werden und das hat sich auch mit diesem Krimi leider nicht geändert. 

Aber von vorn.

Die 25jährige Lisa Uhlen wird am frühen Morgen überfahren. Die junge Frau war mit dem Fahrrad unterwegs, als ein Auto sie rammt, der Fahrer begeht Fahrerflucht. Von Anfang an hat Oberkommissarin Lea Nielsen das Gefühl, dass hinter dem Unfall mehr steckt, denn laut erster Erkenntnis war die junge Steuerfachangestellte auf dem Radweg gefahren, als das Auto sie überfuhr und sie durch den Aufprall mehr als acht Meter durch die Luft geschleudert wurde. Als das Opfer im Krankenhaus verstirbt, ermittelt sie unterstützt von ihren Kollegen Lennart Rolfs und  Julia Reinders aus Aurich in alle Richtungen. Mit Lisa Uhlens ex-Freund Paul Otten gibt es schnell einen Hauptverdächtigen, zumal sich schnell herausstellt, dass das Auto, mit dem sie überfahren wurde, gestohlen war. Wer könnte der jungen Frau nach dem Leben getrachtet haben? Während Lea und ihre Kollegen sich plötzlich in einem Sumpf aus organisierter Kriminalität befinden, muss sich die Oberkommissarin auch mit ihrem eigenen Privatleben herumschlagen: die Demenz ihres Vaters Karl schreitet voran und er braucht Rund-um-die-Uhr-Pflege und während sie nicht weiß, ob sie die Beziehung zu ihrem neuen Freund Jan vertiefen soll, taucht ihr ex-Freund Ben auf und reißt alte Wunden bei ihr auf, die sie allzu gern vergessen würde. 

„Der tiefe Grund“ ist ein solider Krimi, der leider für mich keinerlei Alleinstellungsmerkmal besitzt, aber einige Wendungen in den Ermittlungen haben mich trotz des altbekannten Musters sehr überrascht. Inhaltlich und sprachlich fand ich den Krimi gut und flüssig zu lesen und alles in allem unterhaltsam. Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten, vor allem Lea Nielsen neigt zu Alleingängen, handelt unkonservativ, intuitiv und instinktiv und hat damit sehr oft Erfolg. Trotzdem finde ich sie nach wie vor nicht wirklich sympathisch, ihre Geheimniskrämerei gegenüber ihrem neuen Freund Jan und ihren Kollegen ist für sie nachvollziehbar, dass es im Buch so viel Raum einnimmt, finde ich eher nervig, neben ihr bleiben die meisten anderen Charaktere eher blass. Dass die Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive erzählt wird, tut dabei ein Übriges.

Das Hauptthema, das sich nach und nach herauskristallisiert, ist organisierte Kriminalität – mehr kann ich aus Spoilergründen dazu nicht sagen. Aber so viel ist klar: momentan kommt kaum ein Krimi ohne das Thema aus und auch sonst ist es in aller Munde. Trotzdem lässt für mich der Spannungsaufbau zu wünschen übrig, erst nach etwa der Hälfte des Buchs kam für mich so etwas wie Spannung auf. Die akribische Polizeiarbeit mit der gründlichen Recherche finde ich sehr gut beschrieben, ebenfalls die Kompetenzrangeleien und Hierarchiestreitigkeiten, mit denen sich Lea herumschlagen muss.

Trotz allem kann mich das Buch nicht so sehr packen wie Anna Johannsens Charaktere aus den anderen Serien, wie die „Inselkommissarin“ Lena Lorenzen oder Enna Andersen. Es ist ein bodenständiger Krimi, mehr aber auch nicht. Beim ersten Teil der Serie hatte ich auf mehr Entwicklung in Lea Nielsens Charakter gehofft, das ging leider nicht in Erfüllung, mir fehlte bei dem Buch eindeutig die Tiefe. Von mir daher drei Sterne.