Mit „Rügenmord“ legt Katharina Peters bereits ihren 15. Romy-Beccare-Krimi vor. Natürlich nimmt sie ihr Publikum wieder mit nach Rügen, natürlich gibt es wieder einen Mordfall und natürlich ist das Buch gewohnt spannend.
Aber von vorn.
Am Rande von Poseritz auf Rügen brennt eine Scheune ab, die als Lagergebäude genutzt wurde. Doch neben den erwarteten verkohlten Antiquitäten finden die Einsatzkräfte die Leiche eines jungen Mannes. Erste Ermittlungen ergeben, dass es sich bei dem Toten um Tom Kappler handelt. Er hatte nicht zufällig in der Scheune übernachtet und war ein Opfer der Flammen geworden, die Scheunentür war von außen verschlossen gewesen. Kappler war Buchhalter, der eigentlich in Berlin zu Hause war. Aber der 30-Jährige war vielseitig begabt, neben seinen Aushilfsjobs als Buchhalter hatte er eine große Leidenschaft für Musik gepflegt und auch als Musikproduzent gearbeitet. Er war wegen seiner hilfsbedürftigen Mutter in Greifswald – und wegen einer Affäre mit dem verheirateten Gastronomen Robin Baumann. Hat ihn diese heimliche Beziehung das Leben gekostet oder steckt hinter dem Mord etwas vollkommen Anderes? Kriminalkommissarin Romy Beccare und ihr Team aus Marco Buhl (Leider der Kriminaltechnik), Maximilian Breder (entscheidender Kommissar im Innendienst) und Kriminalkommissar Gregor Reymann machen sich, unterstützt von Romys Mann Jan Riechter (Leiter des Kriminalkommissariats Stralsund) an die Ermittlungsarbeit. Die Spur führt ins organisierte Verbrechen und der Fall nimmt Dimensionen an, die alle in ihrer Komplexität überraschen.
Romy Beccare war von Anfang an eine der Figuren von Katharina Peters, die mich begeistert hat. Da macht auch das neue Buch keine Ausnahme. In diesem Band der Serie wagt die Autorin den Crossover zu einer ihrer anderen Serien, Privatermittlerin Emma Klar aus den „Ostseekrimis“ unterstützt Romys Team. Die Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet. Natürlich sind für den Kenner der Serie Romy Beccare und ihr Team keine Unbekannten und trotzdem schafft die Autorin es, allen immer noch neue Nuancen auf den Leib zu schreiben. Vor allem baut sie natürlich den „Neuen“ in der Runde aus, denn Kommissar Gregor Reymann ist erst seit rund zwei Jahren mit dabei. Durch seine sehr spezielle Art hat er sich allerdings schnell zu meinem Liebling entwickelt. Auch die Verdächtigen, Zeugen und das Opfer bekommen ihre eigenen Persönlichkeiten. Das Publikum fiebert und rätselt so natürlich noch intensiver mit. Und, was soll ich sagen, ich lag ja bei meinen Verdächtigen komplett falsch.
Der Spannungsbogen ist bei dem Buch ist konstant sehr hoch. Die vielen falschen Fährten und die zahlreichen Verdächtigen tun da ihr Übriges. Schon von der ersten Seite an entwickelt die Geschichte einen gewissen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Nur wenn die Ermittlungen auf der Stelle treten und sich nichts weiterzuentwickeln scheint, geht der Spannung ein bisschen die Luft aus. Tatsächlich habe ich das Buch aber in einem Rutsch durchgelesen, durch die angenehme Sprache ist flott und gut zu lesen. Die mehrfache Verwendung von „Coachfrau“ fand ich allerdings nicht nur störend, sondern auch ein falsch gewähltes Wort und das bremste meinen Lesefluss enorm. Zwar finde ich den richtigen Ausdruck „Coachin“ auch nicht wirklich besser, aber er wäre korrekt und eventuell hätte die Autorin einfach eine andere Bezeichnung wählen können.
Anders als bei „Kreidemord“ spielt das Privatleben der Ermittelnden nur eine sehr untergeordnete Rolle, solide Polizeiarbeit steht eindeutig im Mittelpunkt. Die Beschreibung derselben scheint realistisch zu sein, auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Dienststellen und Instanzen – nicht zu reibungslos, aber auch nicht zu viel Kompetenzgerangel. Leider gibt es auch weniger Lokalkolorit als ich es von Katharina Peters gewohnt bin. Alles in allem ist das Buch eventuell etwas überladen. Eine falsche Fährte, ein Verdächtiger oder ein kriminalistischer Ansatz weniger hätte der Geschichte möglicherweise nicht geschadet. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn ich fand das Buch hervorragend, eine lohnende Lektüre und von mir gibt es daher fünf Sterne.