„Todeskeller. Das Cold-Case-Team Berlin ermittelt“ ist ein Thriller von Andreas Suchanek und Nica Stevens, der Auftakt zu einer neuen Serie sein soll. Das Autorenduo kenne ich schon von ihrer „Rachejagd“-Trilogie. Das Buch erschien im November 2024 und ich fand es so gut, dass ich jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung warte. Eigentlich bin ich kein Cold-Case-Fan, aber durch die Verknüpfung des alten Falls mit einem neuen Verbrechen wurde das Buch für mich zu einem Volltreffer.
Aber von vorn.
In Berlin nimmt eine neue Europol-Abteilung für Cold Cases ihre Arbeit auf. An vorderster Front arbeiten dort die deutsche Kommissarin Sophie Steinbach und der französische Commissaire Générale David Martin. Das Team im Hintergrund besteht aus Markus Ebner (Sekretariat und Presse), ITlerin Ebba Karlsson, Forensikerin Zuzanna Tomszewska und dem Profiler Matteo Rossi unter der Leitung von Oliver Alvarez. Der erste Fall des Teams hat es direkt in sich: zwei Polizisten finden bei der Begehung eines Abrisshauses ein Massengrab. Das Haus wurde früher als „Jugendwerkhof“ genutzt, so wurden in der ehemaligen DDR die „Heime für schwereziehbare Jugendliche“ genannt. Wer als schwer erziehbar galt, wurde von der Politik festgelegt, oft wurden in diesen Heimen auch Kinder von Republikflüchtlingen oder „unbequemen“ Bürger:innen zur „Umerziehung“ interniert. Aber die Skelette sind nicht der einzige Fund, denn in dem Haus wird auch eine frischere Leiche gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen französischen Staatsbürger handelt. Die Spur führt Sophie und David in ein Waisenhaus in Frankreich. Und nach und nach kristallisiert sich etwas heraus, was sich die Ermittler in ihren übelsten Alpträumen nicht hätten vorstellen können.
Der Thriller hat mich von der ersten Seite an gepackt. Schande über mich, dass ich über ein Jahr gebraucht habe, um ihn überhaupt erst anzufangen – gelesen habe ich ihn dann innerhalb eines Tages. Die „Jugendwerkhöfe“ der ehemaligen DDR kannte ich, weil ich vor einiger Zeit viel über das dänische Kinderheim „Godhavn“ recherchiert habe. Die Grausamkeiten waren ähnlich, nur die Gründe und der politische Anstrich waren andere. Die Geschichte hier im Buch ist sehr clever konstruiert und packend geschrieben. Die Sprache ist flüssig und daher ist das Buch flott zu lesen. Der historische Hintergrund des Buchs ist bedrückend und äußerst realistisch. Erschreckend, was Menschen zu tun in der Lage sind, wenn man ihnen Macht und Gelegenheit dazu gibt.
Die Charaktere sind alle sehr interessant beschrieben. Sophie und David stehen im Mittelpunkt, sie sind natürlich am ausführlichsten dargestellt. Beide haben spannende Vergangenheiten, die sie bis in die Gegenwart prägen und verfolgen, da ist noch eine Menge Potential für weitere Teile, die es hoffentlich geben wird. Insgesamt hat sich das Autorenduo nicht nur bei der Geschichte, sondern auch bei den Charakteren sehr viel Mühe gegeben. Die an den Ermittlungen Beteiligten haben unterschiedliche Fachbereiche und kommen aus verschiedenen Ländern. Am Anfang des Buchs treffen sie zum ersten Mal aufeinander, die Zusammenarbeit funktioniert aber schnell sehr gut, es wird Hand in Hand ermittelt und das erste „Beschnuppern“ bringt der Leserschaft die verschiedenen Beteiligten näher. Manche Passagen ziehen sich ein wenig, aber alles in allem ist die Handlung sehr dicht und packend erzählt.
Der Spannungsbogen ist hoch, unterbrochen wird er ab und zu durch Ausflüge ins Privatleben der Ermittelnden, die zum Teil aber auch zur Lösung des Falls beitragen, zumal Sophie in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist. Für David sind die Ermittlungen in Frankreich sozusagen ein „Heimspiel“, er ist vor allem unverzichtbar, da Sophie kein Französisch spricht. Exkurse ins Private bringen der Leserschaft die Charaktere näher und die Balance zwischen Arbeit und Privatleben wurde vom Autorenduo hervorragend erarbeitet. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Sophie und David erzählt werden, endet fast jedes mit einem kleinen Cliffhanger, was die Spannung enorm steigert. Das Buch endet nach der stimmigen Lösung des Falls mit einem großen Cliffhanger und macht Lust auf mehr.
„Todeskeller“ war für mich eine sehr spannende Lektüre, die ich nur schwer aus der Hand legen konnte. Ich empfehle das Buch allen, die gekonnt konstruierte Thriller mit sehr verschiedenen und sympathischen Ermittlern mögen, spannende Geschichten mit realem Hintergrund zu schätzen wissen und überhaupt empfehle ich es allen, die gerne enorm spannende Bücher lesen. Von mir fünf Sterne.
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