Donnerstag, 23. April 2026

Das Lächeln der Königin - Stefanie Gerhold

Kunst und Geschichte sind zwei Themen, die mir wichtig sind. Daher fand ich Stefanie Gerholds Buch „Das Lächeln der Königin“ ideal, zumindest nach dem, was der Klappentext versprach. Leider konnte der Archäologieroman meine Erwartungen nicht erfüllen. Es ist mit Sicherheit nicht schlecht, aber für mich war es absolut nicht das Richtige.

Aber von vorn.

James Simon wollte eigentlich klassische Philologie studieren, hatte er doch eine Vorliebe für Latein, Griechisch und Alte Geschichte. Allerdings übernahm er das Textilunternehmen seiner Familie und lebte seine Leidenschaft als Sammler aus und finanzierte Ausgrabungen, wie beispielsweise die Ausgrabung Ludwig Borchardts in Achetaton (heute Tell el Amarna). Borchardts Team machte im Dezember 1912 dort einen sensationellen Fund: im Atelier des Bildhauers Thutmosis fanden sie die weitgehend unversehrte Kalksteinbüste der Nofretete. Anders, als Simon es geplant hatte, wanderte das Artefakt zuerst einmal für mehrere Jahre ins Archiv. Ausgräber Ludwig Borchardt hatte seinem Geldgeber zwar versichert, die „Fundteilung“ sei in Ordnung, aber es hatte einige Differenzen zwischen den britischen Besatzern, dem damaligen ägyptischen Antikendienst (der stand unter französischer Leitung) und den Inhabern der Grabungslizenz gegeben. Letztendlich landete die „Königin“ dann aber bei Simon in Berlin und nicht im British Museum in London oder im Louvre in Paris. 1924 wurde sie zum ersten Mal ausgestellt.

Stefanie Gerhold zeichnet in ihrem fiktionalen Buch anlässlich des 100. Jubiläums der ersten Nofretete-Ausstellung den Weg der Büste von der Ausgrabungsstätte bis zur Ausstellungsstätte nach. Das tut sie zwar nicht schlecht, aber für mich war das Buch nichts Ganzes und nichts Halbes. Es ist keine richtige Biografie Simons oder Borchardts und es ist kein archäologisch-historisches Fachbuch. In manchen Aspekten ist mir das Buch zu oberflächlich und damit hat die Autorin ein enormes Potential verschenkt, weder die Personen noch die Zeitgeschichte kommen ausreichend zu ihrem Recht. Vor allem bezüglich der Person James Simon finde ich es sehr schade, er ist ein so interessanter Charakter und Stefanie Gerhold wird ihm meiner Meinung zu wenig nicht gerecht.

Der aufkeimende Nationalsozialismus und stete Antisemitismus werden natürlich erwähnt, Simons Rolle als „Kaiserjude“ wird gestreift, vor allem sein Verhältnis zu seinem Berater, dem Kunsthistoriker und Museumsfachmann Wilhelm von Bode, den er eigentlich als Freund ansah, der aber schnell einen starken Antisemitismus zur Schau stellte. Die bürokratischen Hürden der „Fundaufteilung“, die Probleme und Streitereien im wissenschaftlichen Betrieb, die überwiegend durch Neid getrieben wurden, beschreibt sie hingegen sehr ausführlich und anschaulich. Mit dieser Gewichtung macht sie das Buch aber meiner Meinung nach zu einem Werk „für echte Fans“ und nicht für durchaus interessierten Laien wie mich.  

Sprachlich ist das Buch gut und flüssig zu lesen, das Konzept ist durchaus gelungen. Die Aufteilung zeigt von Anfang an deutlich, dass der Fund das eine ist, die Bürde, die er mit sich bringt, aber auf einem ganz anderen Blatt steht. Mir fehlt auch ein bisschen die Einordnung, dass weder die britische Besatzungsmacht in Ägypten noch der damalige ägyptische Antikendienst (Département d’Antiquités) unter französischer Leitung oder das Gespann Simon/Borchardt irgendein Recht auf die Büste der Nofretete hatten, sondern einzig der ägyptische Staat. Und dennoch steht die „Königin“ bis heute in einem Berliner Museum.

Für mich war das Buch leider nichts, aber das liegt nicht an dem Roman, sondern an meinen falschen Erwartungen. Daher vergebe ich vier Sterne.

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