Kunst und Geschichte sind zwei Themen, die mir wichtig sind. Daher fand ich Stefanie Gerholds Buch „Das Lächeln der Königin“ ideal, zumindest nach dem, was der Klappentext versprach. Leider konnte der Archäologieroman meine Erwartungen nicht erfüllen. Es ist mit Sicherheit nicht schlecht, aber für mich war es absolut nicht das Richtige.
Aber von vorn.
James Simon wollte eigentlich klassische Philologie
studieren, hatte er doch eine Vorliebe für Latein, Griechisch und Alte
Geschichte. Allerdings übernahm er das Textilunternehmen seiner Familie und
lebte seine Leidenschaft als Sammler aus und finanzierte Ausgrabungen, wie
beispielsweise die Ausgrabung Ludwig Borchardts in Achetaton (heute Tell el
Amarna). Borchardts Team machte im Dezember 1912 dort einen sensationellen
Fund: im Atelier des Bildhauers Thutmosis fanden sie die weitgehend unversehrte
Kalksteinbüste der Nofretete. Anders, als Simon es geplant hatte, wanderte das
Artefakt zuerst einmal für mehrere Jahre ins Archiv. Ausgräber Ludwig Borchardt
hatte seinem Geldgeber zwar versichert, die „Fundteilung“ sei in Ordnung, aber
es hatte einige Differenzen zwischen den britischen Besatzern, dem damaligen
ägyptischen Antikendienst (der stand unter französischer Leitung) und den Inhabern
der Grabungslizenz gegeben. Letztendlich landete die „Königin“ dann aber bei
Simon in Berlin und nicht im British Museum in London oder im Louvre in Paris. 1924
wurde sie zum ersten Mal ausgestellt.
Stefanie Gerhold zeichnet in ihrem fiktionalen Buch anlässlich
des 100. Jubiläums der ersten Nofretete-Ausstellung den Weg der Büste von der
Ausgrabungsstätte bis zur Ausstellungsstätte nach. Das tut sie zwar nicht
schlecht, aber für mich war das Buch nichts Ganzes und nichts Halbes. Es ist
keine richtige Biografie Simons oder Borchardts und es ist kein archäologisch-historisches
Fachbuch. In manchen Aspekten ist mir das Buch zu oberflächlich und damit hat
die Autorin ein enormes Potential verschenkt, weder die Personen noch die
Zeitgeschichte kommen ausreichend zu ihrem Recht. Vor allem bezüglich der
Person James Simon finde ich es sehr schade, er ist ein so interessanter
Charakter und Stefanie Gerhold wird ihm meiner Meinung zu wenig nicht gerecht.
Der aufkeimende Nationalsozialismus und stete Antisemitismus
werden natürlich erwähnt, Simons Rolle als „Kaiserjude“ wird gestreift, vor
allem sein Verhältnis zu seinem Berater, dem Kunsthistoriker und Museumsfachmann
Wilhelm von Bode, den er eigentlich als Freund ansah, der aber schnell einen
starken Antisemitismus zur Schau stellte. Die bürokratischen Hürden der
„Fundaufteilung“, die Probleme und Streitereien im wissenschaftlichen Betrieb,
die überwiegend durch Neid getrieben wurden, beschreibt sie hingegen sehr
ausführlich und anschaulich. Mit dieser Gewichtung macht sie das Buch aber
meiner Meinung nach zu einem Werk „für echte Fans“ und nicht für durchaus interessierten
Laien wie mich.
Sprachlich ist das Buch gut und flüssig zu lesen, das
Konzept ist durchaus gelungen. Die Aufteilung zeigt von Anfang an deutlich,
dass der Fund das eine ist, die Bürde, die er mit sich bringt, aber auf einem
ganz anderen Blatt steht. Mir fehlt auch ein bisschen die Einordnung, dass
weder die britische Besatzungsmacht in Ägypten noch der damalige ägyptische
Antikendienst (Département d’Antiquités) unter französischer Leitung oder das
Gespann Simon/Borchardt irgendein Recht auf die Büste der Nofretete hatten,
sondern einzig der ägyptische Staat. Und dennoch steht die „Königin“ bis heute
in einem Berliner Museum.
Für mich war das Buch leider nichts, aber das liegt nicht an
dem Roman, sondern an meinen falschen Erwartungen. Daher vergebe ich vier
Sterne.
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