Donnerstag, 2. April 2026

Das Winterbuch - Tove Jansson

Bislang kannte ich Tove Jansson nicht, ich kann mich nicht einmal wirklich erinnern, ob ich die Mumins kenne. Nachdem ich „Das Winterbuch“ gelesen habe, bin ich bezüglich der finnlandschwedischen Autorin etwas zwiegespalten und unsicher, ob ich mich weiterhin mit ihrem Werk beschäftigen möchte. Aber manche der Geschichten haben mich wirklich begeistert. 

„Das Winterbuch“ ist kein Roman, es ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Kurzgeschichten und Erzählungen, ein paar sind auch einzelne Kapitel aus Tove Janssons Büchern für Erwachsene. Die Geschichten sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt und haben unterschiedliche Themen, es gibt keinen wirklichen roten Faden. Die einzige verbindende Gemeinsamkeit (außer, dass sie von derselben Autorin verfasst worden sind) ist das Thema Winter und die Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen. 

Ich muss sagen, dass das Buch nicht ganz das war, was ich erwartet hatte, nachdem mich die Kritiken und das Vorwort neugierig gemacht hatten. Zwar fand ich einige Geschichten ganz wundervoll und sie werden noch  lange in mir nachhallen, andere fand ich einfach nur viel zu düster. Ans Herz ging mir „Weihnachten“. Schon der erste Satz „JE KLEINER MAN IST, desto größer wird Weihnachten“ birgt so viel Wahrheit, dass ich kräftig schlucken musste. Ebenso tief berührt hat mich „Shopping“, das mich irgendwie an „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert erinnert, keine Ahnung, wieso. Alles Geschichten regen zum Mit- und Nachdenken an.

Sprachlich finde ich das Buch bemerkenswert. Es ist stellenweise poetisch, voller Bilder und Gefühle und an anderen Stellen minimalistisch und regt mehr zu Kopfkino an. Was mir zu schaffen machte, war die Düsternis, die sich durch alle Geschichten zieht. Ja, skandinavische Winter sind lang und dunkel, die Tage sind kurz und die Nächte wirklich lang. Das kann einen wirklich an seine Grenzen bringen. Aber manchmal war mir die Melancholie einfach zu viel und ich musste das Buch weglegen. Daher rate ich jedem, der sich überlegt, das Buch zu lesen, in sich zu gehen, ob er sich der Dunkelheit stellen möchte, die er darin finden wird (vor allem bei der derzeitigen politischen Weltlage). Von mir gibt es für die überragende sprachliche und übersetzerische Leistung vier Sterne. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.