Donnerstag, 2. April 2026

Fünf Fremde - Romy Fölck

Vorab: ich liebe die Frida Paulsen-Krimis von Romy Fölck, daher dachte ich, ich könnte mit ihrem neuesten Buch „Fünf Fremde“ nichts falsch machen. Und damit lag ich vollkommen richtig. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, den roten Faden im Krimi zu finden, war ich vollauf begeistert und konnte nicht erwarten, die Lösung des Falls zu erfahren. 

Aber von vorn. 

Fünf Menschen treffen auf der Nordseeinsel Neuwerk aufeinander. Annika ist die Einzige, die auf der Insel verwurzelt ist, ihre Mutter Hedda lebt noch auf Neuwerk, ihr Onkel Ole ist der Inselobmann. Die Kriminalpolizistin selbst lebt aber in Hamburg. Mats Nilsson ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Die Schriftstellerin Sinje Bianchi lebt eigentlich in Rom. Michelle Welm will eigentlich die Stelle als neue Vogelwartin auf Scharhörn antreten und sich auf Neuwerk mit ihrer Vorgängerin treffen. Charlotte Hähnel war früher Lehrerin und ist jetzt Nonne, sie ist mit Annikas Mutter Hedda befreundet und möchte ihr einen Besuch abstatten. Diese vollkommen verschiedenen Menschen haben eines gemeinsam: sie waren vor 30 Jahren schon einmal auf Neuwerk gewesen. Damals war die 13jährige Isa zusammen mit dem gleichaltrigen Janosch nachts aus dem Schullandheim verschwunden. Kurze Zeit später wurde sie schwer traumatisiert gefunden, Janosch blieb verschwunden. Kaum sind die fünf jetzt auf Neuwerk angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Annikas demente Mutter gräbt auf dem Friedhof der Namenlosen, auf dem seit dem 14. Jahrhundert ertrunkene Seeleute begraben wurden, ein Skelett aus. Es trägt einen sehr besonderen Ring am Finger. Annika kennt diesen Ring. Doch kann es tatsächlich der seit 30 Jahren vermisste Janosch sein? 

Die Geschichte auf einer Insel spielen zu lassen, die nur einmal am Tag per Fähre, per Wattwagen und für ein paar Stunden am Tag zu Fuß zu erreichen ist, ist wirklich clever. Klaustrophobischer und mehr „locked in“ geht gar nicht, zumal zu Anfang des Buchs ein Sturm aufzieht, der sich, parallel zur Spannung in der Geschichte zum Orkan entwickelt. A propos Spannung. Anfangs habe ich eine Weile gebraucht, um herauszubekommen, wohin die Geschichte führen würde. Die Geschichte wird aus der Sicht jeder der fünf Hauptpersonen erzählt, dazu springt die Autorin nicht nur von Person zu Person, sondern auch von 2025 nach 1995 und zurück, was mich anfangs zugegebenermaßen irritiert hat. Als ich mich aber auf die Geschichte eingelassen habe, hat sie mich gepackt und der Spannungsbogen wuchs kontinuierlich an. Dennoch blieb es für mich eher ein solider Krimi, denn ein Thriller.

Punkten kann das Buch bei mir definitiv mit Lokalkolorit und Atmosphäre. Die Landschaft der Insel Neuwerk mit ihren rund 3km² Fläche, den 20 festen Einwohnern ist anschaulich beschrieben und macht Lust, einmal hinzureisen. Der Orkan ist ebenfalls sehr bildhaft beschrieben, man kann den Sturm und die klaustrophobische Stimmung nachvollziehen. 

Die Charaktere sind eventuell ein bisschen zu stereotyp und die Geschichte an sich viel zu konstruiert, aber sie ist gut konstruiert und das ist es, was ich von einem Buch erwarte, das mich hauptsächlich unterhalten soll. Wirklich mitfühlen konnte ich mit keinem der Charaktere, obwohl die Autorin jeder auch eine Portion Privatleben auf den Leib geschrieben hat (zum Beispiel ist Annikas Ehe zerrüttet, ihre Mutter ist dement und sie hat gesundheitliche Probleme; Sinje ist verwitwet und schreibt an einem Cold-Case-Krimi; Michelle möchte so weit wie möglich von ihrer Familie und ihrem ex-Freund wegkommen) Sympathisch war mir aber am ehesten noch die ehemalige Lehrerin und spätere Nonne Charlotte. Sie ist auch eine der wenigen Beteiligten, die aus ihrem Handeln Konsequenzen zieht, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Die Auflösung des Falls ist stimmig und passt zur absolut hanebüchen konstruierten Geschichte. Der Titel des Buchs erinnert an „Nine perfect strangers“ von Liane Moriarty und natürlich an Enid Blytons „Fünf Freunde“. Letztere sind ähnlich abstrus konzipiert, mit viel zu vielen Zufälle und komplizierten Verquickungen - aber ich mag sie trotzdem. 

Es ist ganz sicher nicht Romy Fölcks bestes Buch, aber da sie einen sehr angenehmen Schreibstil hat und ich mich durch „Fünf Fremde“ gut unterhalten gefühlt habe, vergebe ich vier Sterne.


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