„Todesflut“ ist der zehnte Teil der „Emma Klar“-Serie von Katharina Peters und der sechste Teil der Reihe, den ich gelesen habe. Es hat mich, wie auch die anderen Bücher, sehr gut unterhalten, es war ein bodenständiger und spannender Krimi. Wie der Titel allerdings zustande kam, kann ich mir nicht erklären. Er hat praktisch nichts mit dem Buch zu tun, sondern eher mit dem „Gesetz der Serie“, denn auch die anderen Buchtitel beginnen mit „Todes-“.
Aber von vorn.
Staatsanwältin Ulrike Steiner beauftragt Privatermittlerin
Emma Klar mit der Suche nach der aus dem Lübecker Gefängnis geflohenen Karina
Pohl. Diese war wegen des Mordes an ihrem ex Freund Stefan Mahler verurteilt
worden. Die junge Frau hatte sich nie zu der Tat oder einem Motiv geäußert und
war aufgrund von Indizien (Blut und DNA-Spuren auf ihrer Kleidung) verurteilt
worden. Jetzt ist sie aus dem Gefängnis entkommen und untergetaucht. Emma Klar
macht sich mit Unterstützung ihres IT-Spezialisten Jörg Padorn auf die Suche.
Emmas erste Vermutung ist, dass Karina eventuell gar nicht die Täterin war.
Außerdem ist ihr klar, dass sie Hilfe bei ihrem Ausbruch gehabt haben muss. Das
Ermittlerteam taucht in Karina Pohls Umfeld ein, beleuchtet den Mord an Stefan
Mahler genauer und stößt unvermutet auf einen Cold Case, der das Interesse
weckt. Zwei Jahre zuvor war bei den Mammutbäumen im Leonorenwald die Leiche
einer jungen Frau gefunden worden. Elisa Barth war eine Freundin von Karina
gewesen und hatte eine Zeitlang in derselben Marketingfirma gearbeitet wie
Stefan, diesen allerdings nicht wirklich gemocht. Stefan war später für eine
Lübecker Stiftung tätig gewesen, die sich für obdachlose Menschen engagiert. Nach
und nach kristallisieren sich neun Fälle von verschwundenen obdachlosen Frauen heraus,
die alle irgendwie mit der verschwundenen Karina Pohl und dem ermordeten Stefan
Mahler zusammenhängen können. Von drei der Frauen wurden die Leichen gefunden. Was
wurde aus den anderen? Und wie hängt alles zusammen? Wer steckt hinter alledem?
Was das Ermittlerteam noch nicht ahnt: sie stechen in ein Wespennest ungeahnten
Ausmaßes und am Ende sieht alles völlig anders aus.
Ich gebe zu, auf den ersten Seiten hatte ich keine Ahnung,
wohin das Buch mich führen würde. Der Prolog konnte alles und nichts bedeuten
(die Auflösung dazu kommt kurz vor Ende). Aber schon nach rund 20 Seiten hatte
der Krimi mich gepackt und ich konnte ihn nur schwer aus der Hand legen.
Angenehm fand ich auch, dass ein Buch, das im Jahr 2020 spielt, ohne ständige
Verweise auf die Pandemie und die Maßnahmen auskommt. Natürlich wird sie aber
am Rande ab und zu erwähnt. Die Ermittlungen sind komplex, was als einfache
Suche nach einer flüchtigen Mörderin beginnt, entwickelt sich zu einer Suche
nach neun verschwundenen jungen Frauen (daher vermutlich der Titel, denn aus
einem Ermordeten wird eine wahre „Flut“ von Toten). Durch die Besprechungen
zwischen den beteiligten Teams werden die Ermittlungsstände immer wieder
rekapituliert, für Menschen wie mich, die gerne mal querlesen eine großartige
Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben.
Katharina Peters schreibt flüssig, ihr Stil ist bodenständig
und gut lesbar. „Todesflut“ ist ein gut konzipierter Krimi mit einer Mischung
aus Cold Case und aktuellem Fall, die zwar miteinander verknüpft, aber
vollkommen anders geartet sind (das eine ist die geflohene verurteilte
Mörderin, das andere die verschwundenen und die ermordeten obdachlosen Frauen).
Der Spannungsbogen ist nach kurzer Zeit sehr hoch und vor allem gegen Ende bin
ich nur so durch die Seiten geflogen. Die Charaktere sind mir schon aus mehreren
Teilen der Reihe bekannt, daher war es für mich ein Treffen mit alten
Bekannten. Emma Klar und ihre Art finde ich nach wie vor etwas schwierig, ihre
Alleingänge werden aber durch ihren hervorragenden Instinkt und ihr
verlässliches Bauchgefühl ausgeglichen. Mein Liebling ist und bleibt aber Jörg
Padorn, der immer besonnene aber einfach geniale Rechercheur.
Band 10 der Serie ist also für mich wieder mal ein
Volltreffer gewesen, ich lege das Buch allen ans Herz, die komplexe Krimis mit
eigenwilligen Ermittelnden mögen. Das Buch ist auch ohne Vorkenntnisse gut
verständlich, alle nötigen Informationen aus den anderen Teilen werden
geliefert. Aber natürlich sind auch die Vorgänger spannende Krimis, deren
Lektüre ich ebenfalls empfehle. Von mir fünf Sterne.
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