Dienstag, 26. Mai 2026

Betrogen. Ein Fall für Sieg und Röber - Nella Beinen

„Betrogen“ ist (hoffentlich) der erste Teil einer neuen „Ein Fall für Sieg und Röber“-Serie von Nella Beinen. Das Buch erschien 2024 und 2025 in verschiedenen Auflagen und macht trotz einiger Abzüge wirklich Lust auf mehr.

Aber von vorn.

Dem Ermittlerduo bestehend aus Hauptkommissarin Susanne Röber und Kommissar Benjamin Sieg wird zu Promotionszwecken eine gelernte Journalistin zur Seite gestellt. Doch Alexandra Bieberach ist nicht nur Fachfrau für Social Media und die Außendarstellung der Polizei, sondern auch Benjamins ex-Freundin. Die beiden haben eine unschöne Trennung hinter sich und sollen jetzt zusammenarbeiten. Alex wird direkt ins kalte Wasser geworfen, denn, kaum ist sie in der Dienststelle angekommen, gibt es in der fiktiven niederrheinischen Stadt Niederschwicht auch schon den ersten Mord. Die Gymnasiallehrerin Gertrud Reichel wird tot in einem Garten gefunden. Davor war sie bei einer  Presbyteriumssitzung gewesen. Die Ermittlungen werden wesentlich komplizierter als sich die Ermittler gedacht hätten. Hat der Mord etwas damit zu tun, dass von der Kirchengemeinde ein enorm wertvolles Kreuz gestohlen wurde? Schließlich kannte die Tote den Code für den Safe. Hat ihr Mann sie aus Eifersucht getötet? Oder wurde sie Opfer unzufriedener Schüler? Nach und nach geraten zahllose Menschen in ihrem Umfeld in den Fokus der Ermittler.

„Betrogen“ ist für mich ein Krimi voller Überraschungen. Erstens ist bei den Ermittlungen sehr wenig so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Zweitens ist im Privatleben der Ermittelnden noch weniger so, wie es scheint. Dennoch schafft die Autorin den Spagat zwischen Kriminalfall und Privatleben der Ermittelnden und herausgekommen ist ein spannender Krimi mit vielen Verdächtigen und sehr vielen (falschen) Spuren, der zum Miträtseln einlädt. Dazu kommt die Dreiecksbeziehung zwischen Ben, seiner ehemaligen Freundin Alexandra und deren jetzigem Lebensgefährten Tom. Auch die lädt zum Miträtseln ein, denn lange ist unklar, was zwischen den Dreien vorgefallen ist.

Sprachlich fand ich das Buch etwas unausgegoren. Zum einen hat es ein paar Schreibfehler, zum anderen fand ich die Wortwahl an manchen Stellen schlicht falsch. Generell habe ich an Krimis keine übermäßig großen Ansprüche, aber diesem Buch hätte ein besseres Lektorat gutgetan und, da die Geschichte gut konstruiert und die Idee dahinter wirklich gut ist, hätte es eine gründlichere Durchsicht vor der Drucklegung auch verdient gehabt. An manchen Stellen nahm mir eine holprige Sprache auch etwas die Lesefreude und den eigentlichen Spaß an dem Krimi.

Aber abgesehen davon fand ich das Buch durchaus gelungen. Wir gesagt, die Idee finde ich hervorragend, die Ermittlungsarbeit solide und als Leser fand ich mich auch gut abgeholt. Die Verknüpfung mehrere Fälle, die verzwickten Ermittlungen und das komplizierte Privatleben hat mir gut gefallen. Schön fand ich auch, dass das Publikum immer auf demselben Wissensstand ist wie die Ermittelnden. Die Charaktere finde ich sehr gut ausgearbeitet, jede/r hat seine Eigenheiten und ich würde mich freuen, wenn in die Serie weitergeführt würde und man mehr über Alexandra, Ben, Tom und Susanne erführe.

Mein Fazit lautet daher: ausbaufähig und leider nicht das komplette Potential ausgeschöpft, aber dennoch ein solider und unterhaltsamer Krimi, der sich flott lesen lässt. Vier Sterne.

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