„Betrogen“ ist (hoffentlich) der erste Teil einer neuen „Ein Fall für Sieg und Röber“-Serie von Nella Beinen. Das Buch erschien 2024 und 2025 in verschiedenen Auflagen und macht trotz einiger Abzüge wirklich Lust auf mehr.
Aber von vorn.
Dem Ermittlerduo bestehend aus Hauptkommissarin Susanne
Röber und Kommissar Benjamin Sieg wird zu Promotionszwecken eine gelernte
Journalistin zur Seite gestellt. Doch Alexandra Bieberach ist nicht nur
Fachfrau für Social Media und die Außendarstellung der Polizei, sondern auch
Benjamins ex-Freundin. Die beiden haben eine unschöne Trennung hinter sich und
sollen jetzt zusammenarbeiten. Alex wird direkt ins kalte Wasser geworfen,
denn, kaum ist sie in der Dienststelle angekommen, gibt es in der fiktiven niederrheinischen
Stadt Niederschwicht auch schon den ersten Mord. Die Gymnasiallehrerin Gertrud
Reichel wird tot in einem Garten gefunden. Davor war sie bei einer Presbyteriumssitzung gewesen. Die
Ermittlungen werden wesentlich komplizierter als sich die Ermittler gedacht
hätten. Hat der Mord etwas damit zu tun, dass von der Kirchengemeinde ein enorm
wertvolles Kreuz gestohlen wurde? Schließlich kannte die Tote den Code für den
Safe. Hat ihr Mann sie aus Eifersucht getötet? Oder wurde sie Opfer
unzufriedener Schüler? Nach und nach geraten zahllose Menschen in ihrem Umfeld
in den Fokus der Ermittler.
„Betrogen“ ist für mich ein Krimi voller Überraschungen.
Erstens ist bei den Ermittlungen sehr wenig so, wie es auf den ersten Blick
aussieht. Zweitens ist im Privatleben der Ermittelnden noch weniger so, wie es
scheint. Dennoch schafft die Autorin den Spagat zwischen Kriminalfall und
Privatleben der Ermittelnden und herausgekommen ist ein spannender Krimi mit vielen
Verdächtigen und sehr vielen (falschen) Spuren, der zum Miträtseln einlädt. Dazu
kommt die Dreiecksbeziehung zwischen Ben, seiner ehemaligen Freundin Alexandra
und deren jetzigem Lebensgefährten Tom. Auch die lädt zum Miträtseln ein, denn
lange ist unklar, was zwischen den Dreien vorgefallen ist.
Sprachlich fand ich das Buch etwas unausgegoren. Zum einen
hat es ein paar Schreibfehler, zum anderen fand ich die Wortwahl an manchen
Stellen schlicht falsch. Generell habe ich an Krimis keine übermäßig großen
Ansprüche, aber diesem Buch hätte ein besseres Lektorat gutgetan und, da die
Geschichte gut konstruiert und die Idee dahinter wirklich gut ist, hätte es
eine gründlichere Durchsicht vor der Drucklegung auch verdient gehabt. An
manchen Stellen nahm mir eine holprige Sprache auch etwas die Lesefreude und
den eigentlichen Spaß an dem Krimi.
Aber abgesehen davon fand ich das Buch durchaus gelungen.
Wir gesagt, die Idee finde ich hervorragend, die Ermittlungsarbeit solide und
als Leser fand ich mich auch gut abgeholt. Die Verknüpfung mehrere Fälle, die
verzwickten Ermittlungen und das komplizierte Privatleben hat mir gut gefallen.
Schön fand ich auch, dass das Publikum immer auf demselben Wissensstand ist wie
die Ermittelnden. Die Charaktere finde ich sehr gut ausgearbeitet, jede/r hat
seine Eigenheiten und ich würde mich freuen, wenn in die Serie weitergeführt
würde und man mehr über Alexandra, Ben, Tom und Susanne erführe.
Mein Fazit lautet daher: ausbaufähig und leider nicht das
komplette Potential ausgeschöpft, aber dennoch ein solider und unterhaltsamer
Krimi, der sich flott lesen lässt. Vier Sterne.
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