Samstag, 8. August 2026

Akte Nordsee. Die letzte Predigt - Eva Almstädt

„Die letzte Predigt“ ist der Titel des vierten Teils von Eva Almstädts „Akte Nordsee“-Reihe. Wie üblich stehen Anwältin Fentje Jacobsen und ihr Freund, der Journalist Niklas John im Mittelpunkt. Das Verhältnis der beiden ist ja ohnehin eher eine on-off-Beziehung, im Moment sind sie in einer off-Phase. Dennoch ermitteln sie gemeinsam, als in Estherwieck kurz nacheinander zwei Tote gefunden werden. Klingt spannend – ist es aber leider nicht wirklich. Für mich ist der Band der bislang schwächste der Reihe.

Aber von vorn.

Eher widerwillig bringt Fentje ihre Oma zu einer Kirchenfeier im Nachbarort Estherwieck, eines von Gretjes Patenkindern feiert dort Silberne Konfirmation. Bei der festlichen Predigt von Pastor Tammo Gerdes wird Fentje aufmerksam, denn die ist eher untypisch. Und auch sonst ist bei dem Fest vieles sehr unharmonisch, zumal ein schlimmes Ereignis schon vor 25 Jahren die Konfirmation überschattet hatte: beim Konfirmandencamp auf Sylt war eine Konfirmandin betrunken von einem Baum gefallen und die Fraktur im Bein war nie vollständig ausgeheilt, einige Jahre später war die junge Frau bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Der jetzige Pastor war damals als Betreuer im Camp dabei gewesen. Ausgerechnet Lena, die Cousine der Verunglückten sorgt beim Konfirmationsjubiläum für einen Eklat, da sie sich mit ihrem ex-Mann um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn streitet. Am Morgen nach der Feier wird der Pastor tot im Watt gefunden. War es ein Unfall oder hat der verwitwete Pfarrer Suizid begangen? Während die Polizei noch in alle Richtungen ermittelt, findet Paul, der beste Freund des Journalisten Niklas John die Leiche von Lena. Unverhofft gerät Niklas unter Verdacht, denn Lena hatte in der Nacht vor ihrem Tod einige Stunden in seiner Wohnung verbracht. Zwar sind Niklas und Fentje momentan getrennt, aber natürlich unterstützt sie ihn dabei, seine Unschuld zu beweisen. Hängen die beiden Todesfälle überhaupt zusammen?

Ich kenne die Serie von Anfang an und bin von diesem Teil nicht besonders angetan. Mir fehlt über weite Strecken die Spannung, das Beziehungsdrama Fentje/Niklas nimmt für mich zu viel Raum ein, dieses ständige Hin und Her nimmt dem Buch die Spannung und mir den Spaß an der Lektüre. Die beiden benehmen sich zum Teil wie unreife verliebte Teenager. Auch das charmante Norddeutsche, das die anderen Teile ausmacht, fehlt mir völlig, denn Oma Gretje hat nur sehr wenige Auftritte im Buch. Da kann die gute Beschreibung der Landschaft, und vor allem der Nordsee, auch nichts gutmachen.

Die Ermittlungen in den Todesfällen sind wie in den anderen Teilen der Reihe auch: viel Intuition, gepaart mit noch mehr Zufällen und der hilfreichen Tatsache, dass auf dem Land jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der hilfreich sein könnte. Schön, aber nicht unbedingt  realistisch. Ärgerlich finde ich einen Fehler, der im Buch gleich zweimal vorkommt. Der GPS-Tracker der Firma Apple heißt „Airtag“ und nicht „Airtac“. Wenn man schon einen sehr speziellen Begriff, sollte man es richtig machen, auch an einigen anderen Stellen hätte dem Buch ein sorgfältiges Lektorat nicht geschadet.

Alles in allem ist das Buch gut und flüssig zu lesen, aber konzeptionell kann es bei mir nicht punkten, obwohl ich die ungewöhnliche Konstellation (das Ermittlerteam besteht aus einer Anwältin und einem Journalisten) sehr mag. Nach einem spannenden Prolog kommt erst einmal über sehr viele Seiten nichts Nennenswertes. Wie der Auftakt zur Geschichte gehört, erfährt die Leserschaft erst einmal nichts, was ich persönlich gut und spannungssteigernd finde. Diese leise aufkeimende Spannung zerredet die Autorin dann aber mir unzähligen Nebensächlichkeiten rund um die silberne Konfirmation und das Konfirmandencamp vor 25, dazu Namen über Namen (die sind natürlich original Norddeutsch, für mich als Schwaben ungewohnt und daher verlor ich ab und zu den Faden und den Überblick). Insgesamt zieht sich der Teil zwischen Prolog und Finale ziemlich, wirklich Fahrt nimmt die Handlung erst im letzten Drittel auf.

Schon der Vorgänger von „Die letzte Predigt“ hatte mich nicht wirklich begeistert, dieser Teil der Reihe kommt über ein „unterhaltsam“ ebenfalls nicht hinaus und ich vergebe drei Sterne. Ich freue mich dennoch auf den nächsten Band und hoffe, dass Eva Almstädt dort zu ihrer gewohnten Form zurückfindet.

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