„Die letzte Predigt“ ist der Titel des vierten Teils von Eva Almstädts „Akte Nordsee“-Reihe. Wie üblich stehen Anwältin Fentje Jacobsen und ihr Freund, der Journalist Niklas John im Mittelpunkt. Das Verhältnis der beiden ist ja ohnehin eher eine on-off-Beziehung, im Moment sind sie in einer off-Phase. Dennoch ermitteln sie gemeinsam, als in Estherwieck kurz nacheinander zwei Tote gefunden werden. Klingt spannend – ist es aber leider nicht wirklich. Für mich ist der Band der bislang schwächste der Reihe.
Aber von vorn.
Eher widerwillig bringt Fentje ihre Oma zu einer
Kirchenfeier im Nachbarort Estherwieck, eines von Gretjes Patenkindern feiert
dort Silberne Konfirmation. Bei der festlichen Predigt von Pastor Tammo Gerdes
wird Fentje aufmerksam, denn die ist eher untypisch. Und auch sonst ist bei dem
Fest vieles sehr unharmonisch, zumal ein schlimmes Ereignis schon vor 25 Jahren
die Konfirmation überschattet hatte: beim Konfirmandencamp auf Sylt war eine
Konfirmandin betrunken von einem Baum gefallen und die Fraktur im Bein war nie
vollständig ausgeheilt, einige Jahre später war die junge Frau bei einem
Motorradunfall ums Leben gekommen. Der jetzige Pastor war damals als Betreuer
im Camp dabei gewesen. Ausgerechnet Lena, die Cousine der Verunglückten sorgt
beim Konfirmationsjubiläum für einen Eklat, da sie sich mit ihrem ex-Mann um
das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn streitet. Am Morgen nach der Feier wird
der Pastor tot im Watt gefunden. War es ein Unfall oder hat der verwitwete
Pfarrer Suizid begangen? Während die Polizei noch in alle Richtungen ermittelt,
findet Paul, der beste Freund des Journalisten Niklas John die Leiche von Lena.
Unverhofft gerät Niklas unter Verdacht, denn Lena hatte in der Nacht vor ihrem
Tod einige Stunden in seiner Wohnung verbracht. Zwar sind Niklas und Fentje
momentan getrennt, aber natürlich unterstützt sie ihn dabei, seine Unschuld zu
beweisen. Hängen die beiden Todesfälle überhaupt zusammen?
Ich kenne die Serie von Anfang an und bin von diesem Teil
nicht besonders angetan. Mir fehlt über weite Strecken die Spannung, das
Beziehungsdrama Fentje/Niklas nimmt für mich zu viel Raum ein, dieses ständige
Hin und Her nimmt dem Buch die Spannung und mir den Spaß an der Lektüre. Die
beiden benehmen sich zum Teil wie unreife verliebte Teenager. Auch das charmante
Norddeutsche, das die anderen Teile ausmacht, fehlt mir völlig, denn Oma Gretje
hat nur sehr wenige Auftritte im Buch. Da kann die gute Beschreibung der
Landschaft, und vor allem der Nordsee, auch nichts gutmachen.
Die Ermittlungen in den Todesfällen sind wie in den anderen
Teilen der Reihe auch: viel Intuition, gepaart mit noch mehr Zufällen und der
hilfreichen Tatsache, dass auf dem Land jeder jemanden kennt, der jemanden
kennt, der hilfreich sein könnte. Schön, aber nicht unbedingt realistisch. Ärgerlich finde ich einen
Fehler, der im Buch gleich zweimal vorkommt. Der GPS-Tracker der Firma Apple
heißt „Airtag“ und nicht „Airtac“. Wenn man schon einen sehr speziellen
Begriff, sollte man es richtig machen, auch an einigen anderen Stellen hätte
dem Buch ein sorgfältiges Lektorat nicht geschadet.
Alles in allem ist das Buch gut und flüssig zu lesen, aber
konzeptionell kann es bei mir nicht punkten, obwohl ich die ungewöhnliche
Konstellation (das Ermittlerteam besteht aus einer Anwältin und einem
Journalisten) sehr mag. Nach einem spannenden Prolog kommt erst einmal über
sehr viele Seiten nichts Nennenswertes. Wie der Auftakt zur Geschichte gehört,
erfährt die Leserschaft erst einmal nichts, was ich persönlich gut und
spannungssteigernd finde. Diese leise aufkeimende Spannung zerredet die Autorin
dann aber mir unzähligen Nebensächlichkeiten rund um die silberne Konfirmation
und das Konfirmandencamp vor 25, dazu Namen über Namen (die sind natürlich
original Norddeutsch, für mich als Schwaben ungewohnt und daher verlor ich ab
und zu den Faden und den Überblick). Insgesamt zieht sich der Teil zwischen
Prolog und Finale ziemlich, wirklich Fahrt nimmt die Handlung erst im letzten
Drittel auf.
Schon der Vorgänger von „Die letzte Predigt“ hatte mich
nicht wirklich begeistert, dieser Teil der Reihe kommt über ein „unterhaltsam“
ebenfalls nicht hinaus und ich vergebe drei Sterne. Ich freue mich dennoch auf
den nächsten Band und hoffe, dass Eva Almstädt dort zu ihrer gewohnten Form
zurückfindet.
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