„Schwüre, die wir brechen“ ist der
zweite Teil der „Ein Fall für Svea Karhuu und Jon Nordh“-Krimiserie von Roman
Voosen/Kerstin Signe Danielsson. Ich hatte den ersten Teil „Tode, die wir
sterben“ schon gelesen und er hatte mir sehr gut gefallen. Dieses Buch fand ich
um einiges schwächer, aber trotzdem gut zu lesen.
Aber
von vorn.
Das
Ermittler-Duo Jon Nordh und Svea Karhuu hat sich inzwischen zusammengerauft.
Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres ersten gemeinsamen Falls (nachzulesen in
„Tode, die wir sterben“) kann man den kauzigen Witwer und alleinerziehenden
Vater und die strafversetzte Kollegin, die seinerzeit die Polizeischule als
Jahrgangsbeste abgeschlossen hat, als Team betrachten. Neben ihrem aufreibenden
Job haben beide nach wie vor mit privaten Problemen zu kämpfen. Der Fall, mit
dem sie es dieses Mal zu tun haben, hat es in sich. Er fängt damit an, dass in
einem Boot auf einem Malmöer Kanal eine männliche Leiche gefunden wird. Das an
sich ist noch nicht spektakulär, schließlich sind die beiden Ermittler bei der
Mordkommission. Allerdings wurde dem Opfer das Herz entfernt, dazu wurde dem
Mann der eigene Kopf abgetrennt und ihm stattdessen ein Krokodilkopf angenäht. Jon
wird von Svea und der Chefin Nora Mellander dazu gedrängt, die Ermittlungen
aufzunehmen. Letztere ködert ihn damit, dass er dann endlich die
Ermittlungsakte zu dem Unfall bekommt, bei dem seine Frau vor geraumer Zeit
zusammen mit seinem ehemaligen Partner Calle ums Leben gekommen ist. Und
während die Ermittler noch eher plan- und ziellos arbeiten, wird eine zweite
Leiche gefunden, dieser wurde der Kopf eines Falken angenäht. Auffällig an
dieser Leiche ist aber auch, dass sie über und über mit Zeichen bedeckt war,
die an ägyptische Hieroglyphen erinnern. Wegen dieses Fundes schauen sich die
Ermittler den ersten Mord noch einmal genauer an, Überraschung: Auch im Umfeld
des ersten Opfers sind solche Zeichen zu finden. Ist es tatsächlich ein
Serienmörder, der in Malmö sein Unwesen treibt? Und falls ja, was ist sein
Motiv?
Nachdem
ich „Tode, die wir sterben“ mit großer Begeisterung gelesen habe, habe ich mich
auf die Lektüre von „Schwüre, die wir brechen“ sehr gefreut. Hundertprozentig überzeugt
hat mich das Buch allerdings nicht. Zwar fand ich es sehr spannend und auch
stilistisch gut zu lesen, die Idee hinter dem Buch hat mich aber nicht wirklich
abgeholt. Die ägyptischen Zeichen waren für mich bis zuletzt ein eher
überflüssiges Element, ohne das das Buch vermutlich auch sehr gut ausgekommen
wäre. Ja, es wird am Schluss geklärt, was hinter allem steckt, aber auch diese
Erklärung finde ich ein wenig mager.
Abgesehen
davon ist das Buch gut geschrieben. Es ist spannend und sprachlich bodenständig,
aber das Konzept ist nicht ganz so stimmig wie im ersten Band der Reihe. Auch
da dauerte es lang, bis klarwurde, wie der Prolog und die eingeschobenen
Kapitel zum „großen Ganzen“ des Buchs passen, aber bei „Schwüre, die wir
brechen“, dauert es meiner Meinung nach zu lang und mit jedem Exkurs zu einem
ominösen Peter wurde meine Verwirrung größer und damit leider auch meine
Frustration. Die „Ausflüge“ sind zwar interessant, vor allem sein Leben in der
chilenischen Colonia Dignidad, aber was sie im Endeffekt zum Krimi beitragen,
bleibt für mich zu lange unklar.
Die
Ausarbeitung der Charaktere finde ich hingegen wirklich gut. Svea Karhuu und
Jon Nordh fand ich im ersten Teil schon sehr gut beschrieben, die beiden baut
das Autoren-Duo weiter aus. Jon versucht immer noch Kinder, die privaten
Ermittlungen zum Unfalltod seiner Frau und seine Arbeit unter einen Hut zu
bekommen, was ihm eher schlecht als recht gelingt. Svea hat ebenfalls eine
private Ermittlung am Laufen, sie wird anonym bedroht und versucht mithilfe
ihre Vaters herauszufinden, von wem. Leider verrennen sich beide in ihren
privaten Ermittlungen und sehen vieles (zumindest für die Leserschaft)
Offensichtliches nicht. Interessant finde ich aber bei beiden, dass sie sich
als Ermittlerduo zusammengefunden haben und sich eher auf Augenhöhe begegnen.
Selbst die Kollegen Wallgren und Stöcker (in Anlehnung an Walldorf und Stattler
„die Muppets“ genannt) werden von ihnen mehr mit Wohlwollen bedacht als im
ersten Teil der Reihe, wobei mich Wallgrens zwanghaftes Kichern in den
unpassendsten Augenblicken gründlich nervt.
Insgesamt
ist es für mich ein solider Krimi, dem allerdings das Skandinavische fehlt, er
könnte meiner Meinung nach genauso gut in Wanne-Eickel spielen. Der
Spannungsbogen sieht ein bisschen wie eine Sinuskurve aus, manchmal sehr hoch
und manchmal ist er nicht vorhanden. Alles in allem würde ich sagen, dass das
Autoren-Duo die Geschichte ein wenig überladen hat, was der Spannung abträglich
war. Die ägyptische Komponente, der wirklich grausame Mörder, die Erfahrungen
von Peter in der Colonia Dignidad UND dann noch die privaten Baustellen der
Ermittler – das alles zusammen war einfach ein bisschen zu viel und der Schluss
ein bisschen unbefriedigend. Deshalb kommt das Buch für mich über ein „solide“
und „unterhaltsam“ nicht hinaus und bekommt von mir 3,5 Sterne, aufgerundet auf
4.
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