Samstag, 8. August 2026

Tode, die wir sterben - Roman Voosen/Kerstin Signe Danielsson

Zugegeben, ich kannte das Autorenduo Roman Voosen/Kerstin Signe Danielsson vor der Lektüre von „Tode, die wir sterben“ nicht. Dieses Versäumnis bitte ich zu entschuldigen. Denn die beiden haben mit dem Buch einen Auftakt zu einer Serie geschaffen, der mich wirklich begeistert hat. Das Buch ist nicht nur absolut realistisch, sondern auch bedrückend aktuell.

Aber von vorn.

In Malmö wird der dreizehnjährige Rashid vor einer Pizzeria aus einem Auto heraus erschossen. Ist er ein Zufallsopfer, das zur falschen Zeit am falschen Ort war? Polizeibekannt ist er nicht. Gehörte er trotzdem zu einer der berüchtigten Gangs in Malmö und wurde deshalb erschossen? War es ein terroristischer Anschlag? Oder steckt ein rassistischer Grund dahinter? Droht Schweden womöglich eine neue Welle rassistischer Morde? Dem Ermittler-Duo Svea Karhuu und Jon Nordh läuft die Zeit davon, sie müssen schnell Ergebnisse liefern. Dabei haben beide privat eigentlich genug um die Ohren, Jons Frau war vor einiger Zeit bei einem Unfall ums Leben gekommen und er ist jetzt alleinerziehender Vater von zwei Kindern in Alter von fünf und sieben Jahren. Dazu war seine verstorbene Frau bei ihrem Unfalltod mit Jons Freund und Kollegen zusammen im Wagen gewesen und vermutlich hatten die beiden eine Affäre. Svea wurde nach einem schiefgelaufenen Undercover-Einsatz nach Malmö versetzt. Dieses ungleiche Paar nimmt die Ermittlungen auf, bald gibt es aber ein weiteres Opfer und Rashids bester Freund verschwindet spurlos.

Ich liebe skandinavische Krimis mit speziellen Ermittlern und realem Bezug. Daher hat mich der Klappentext von „Tode, die wir sterben“ direkt angesprochen. Und das Buch hat meine Erwartungen (ich habe bei Krimis nicht wirklich hohe Ansprüche) weit übertroffen. Die Ermittler haben beide ihr Päckchen zu tragen, zudem muss das Duo aus dem frisch verwitweten Jon und der strafversetzten Svea erst einmal aneinander gewöhnen. Jon, der stereotype Schwede (nicht besonders groß, „um die vierzig, schlank, strubbeliges, weizenblondes Haar“) trifft auf Svea, der man mit ihren schwarzen Haaren, den dunklen Augen und der braunen Haut den Migrationshintergrund ansieht, die aber übersetzt schwedische Bärin heißt (Svea heißt schwedisch, Karhuu ist nicht die finnische Sportmarke, sondern heißt in ihrem Heimatdialekt Meänkieli oder Tornedalfinnisch soviel wie Bär).

Die beiden werden vom Autoren-Paar zum Teil sehr plakativ beschrieben, aber sicher sind die Probleme, mit denen Svea aufgrund ihres augenscheinlichen Migrationshintergrunds zu kämpfen hat, realistisch und Jons Kampf, Beruf und die Erziehung zweier trauernden Kinder unter einen Hut zu bringen, ebenfalls. Die privaten Aspekte in ihrer Zusammenarbeit nehmen viel, aber nicht zu viel Raum im Buch ein. Ich konnte mich in beide Protagonisten einfühlen und finde sie hervorragend dargestellt. Die beiden müssen erst noch lernen, einander zu vertrauen und zusammenzuarbeiten, denn bislang bestechen beide durch Alleingänge.

Der Spannungsbogen ist teilweise sehr hoch, die Exkurse ins Privatleben der Ermittler stören nicht, sie sind eher als Verschnaufpausen zu sehen. Geschrieben ist das Buch überwiegend aus Sicht eines außenstehenden Erzählers, der immer nur so viel weiß, wie die Leserschaft. Ein paar „Zwischenkapitel“ sind aus der Perspektive von Taqi und Shishi erzählt, die ein bisschen Einblick in Leben und Gedankengänge von zwei migrantischen Jugendlichen geben.

Da ich die Themen „Schwedische Bandenkriminalität“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „weltweiter Rechtsruck“ intensiv in den Medien verfolge, war mir die politische Komponente dieses Krimis bekannt und ich finde sie sehr gut auf- und eingearbeitet. Das Autorenduo schafft für mich den Spagat zwischen Politthriller und Milieustudie sehr gut. Sprachlich ist das Buch gut und flott zu lesen, die vielen Kraftausdrücke und Beleidigungen habe ich erwartet, sie lassen mich beim Lesen dennoch immer wieder zusammenzucken. Ebenfalls sehr nah an der Realität ist der Alltagsrassismus, dem sich Svea ausgesetzt sieht. Selbst ihr Kollege und Partner Jon findet dabei einige Fettnäpfchen, in die er mit voller Wucht tritt.

Mit Jon Nordh und Svea Karhuu haben Roman Voosen und seine Frau Kerstin Signe Danielsson ein interessantes Ermittlerduo mit spannender Vergangenheit und vielen Ecken und Kanten erdacht. Für mich ist „Tode, die wir sterben“ ein gelungener Serienauftakt und ich freue mich auf den nächsten Teil der Serie mit dem Titel „Schwüre, die wir brechen“. Ich empfehle das Buch allen, die Schwedenkrimis, Ermittler mit schwierigem Privatleben und gut durchdachte Krimis mit politischem Hintergrund mögen. Von mir die volle Punktzahl.

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